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  • STEAG erhält Zuschlag in Auktion zur Kraftwerksstilllegung

    Block 9 des Heizkraftwerks Duisburg-Walsum geht 2021 vom Netz

    Die Bundesnetzagentur hat die Kraftwerksstandorte benannt, die in der ersten Auktionsrunde zur sukzessiven Stilllegung von Steinkohlekraftwerken gemäß Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG) bezuschlagt worden sind; darunter der Block Walsum 9 von STEAG in Duisburg-Walsum. Die 1988 in Betrieb genommene Anlage mit einer Netto-Leistung von 370 Megawatt (MW) wird voraussichtlich bis Juli 2021 endgültig stillgelegt – sofern sie seitens der Bundesnetzagentur nicht noch als systemrelevant eingestuft wird.

    Deutschland will für den Klimaschutz bis spätestens 2038 sämtliche Kohlekraftwerke stilllegen. Mit den Braunkohlebetreibern RWE und Leag hat das Bundeswirtschaftsministerium feste Abschaltdaten und Entschädigungssummen ausgehandelt, die von der EU-Kommission allerdings noch geprüft werden müssen. RWE soll für das vorzeitige Abschalten von Kraftwerken und die Stilllegung von Tagebauen eine Entschädigung von 2,6 Milliarden Euro erhalten, für die ostdeutsche Leag sind 1,75 Milliarden Euro vorgesehen.

    Erste Auktionsrunde war deutlich überzeuchnet
    Zur sukzessiven Abschaltung von Steinkohlekraftwerken, die deutschlandweit von mehreren Energieunternehmen sowie Stadtwerken betrieben werden, hatte sich die Bundesregierung für das nun erstmals durchgeführte Ausschreibungs-Verfahren entschieden. In der ersten Runde hatte die Bundesnetzagentur Kapazitäten im Umfang von 4.000 Megawatt (MW) zur Stilllegung ausgeschrieben. Als Höchstpreis hatte die Behörde 165.000 Euro pro MW festgelegt. Die ausgeschriebene Menge war schließlich deutlich überzeichnet. Die elf bezuschlagten Gebote ergaben eine Stilllegungskapazität von 4.788 MW.

    Die Zuschlagserteilung hing nicht allein vom jeweiligen Gebotswert ab, sondern auch vom Verhältnis der verlangten Zahlung zu der voraussichtlich bewirkten CO2-Reduzierung. Die Anlagen, die einen Zuschlag erhalten haben, dürfen ab dem 1. Januar 2021 die durch den Einsatz von Kohle erzeugte Leistung nicht mehr am Strommarkt vermarkten. Die Stilllegungsprämie wird vom Bundeswirtschaftsministerium gezahlt. Neben Walsum 9 gewannen unter anderem die jungen Steinkohleblöcke Moorburg A und B von Vattenfall in Hamburg sowie das Kraftwerk Westfalen von RWE ein Los in dieser ersten Auktionsrunde.

    STEAG-Transfergesellschaft ermöglicht sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau
    Am Standort Duisburg-Walsum betreibt STEAG ein Heizkraftwerk mit zwei Blöcken. Produziert wird nicht nur Strom, sondern auch Fernwärme und Prozessdampf. Unabhängig von dem nun stillzulegenden Block 9 wird der Block 10, den STEAG seit 2012 gemeinsam mit der österreichischen EVN AG betreibt, weiterhin Energie erzeugen. Ein auf Synergieeffekte ausgelegtes Personalkonzept am Standort Duisburg-Walsum ermöglichte es bereits in der Vergangenheit, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter flexibel einzusetzen. Deshalb werden von der Abschaltung des Blocks 9 unmittelbar rund 80 Beschäftigte im Kraftwerk selbst sowie zehn weitere in der Verwaltung von STEAG betroffen sein.

    „STEAG steht zu ihrer Verantwortung gegenüber ihren Beschäftigten.“

    Dr. Andreas Reichel, Arbeitsdirektor und Mitglied der Geschäftsführung der STEAG GmbH.

    „STEAG steht zu ihrer Verantwortung den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber und verhandelt mit dem Konzernbetriebsrat derzeit ein umfangreiches Maßnahmenpaket“, erklärt Dr. Andreas Reichel, Arbeitsdirektor und Mitglied der Geschäftsführung der STEAG GmbH. „Dabei gehen wir auch neue Wege, etwa mit der Schaffung einer Transfergesellschaft, die uns dabei helfen soll, den unvermeidlichen Personalabbau für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen sozialverträglich und für STEAG wirtschaftlich verkraftbar zu gestalten. Ziel muss sein, STEAG die notwendigen Spielräume zu erhalten, um die bereits begonnene Transformation des Unternehmens aus eigener Kraft zum Erfolg führen zu können.“

    Nächste Stillegungsauktion Anfang 2021
    Die Angebotsfrist für die nächste Auktionsrunde hat die Bundesnetzagentur für den 4. Januar 2021 angesetzt. Insgesamt waren zunächst acht Auktionsrunden vorgesehen, die zunächst für 2027 vorgesehene letzte Ausschreibung soll aber aufgrund einer EU-Entscheidung nun entfallen. Sollten es mittels dieses Verfahrens nicht gelingen, genug Kraftwerksblöcke vom Netz zu nehmen, die Bundesregierung auf dem Verordnungsweg erzwingen, dass diese ohne Entschädigung abzuschalten sind. Ab 2027 sollen die Betreiber von Steinkohleblöcken grundsätzlich nicht mehr entschädigt werden. Dieses Vorgehen hatte vor allem bei Betreibern jüngerer Kraftwerke für Kritik gesorgt, da diese fürchten müssen, die erheblichen Investitionen in ihre Anlagen aufgrund der verkürzten Betriebsdauer nicht wieder einbringen zu können. Bei STEAG wäre hiervon insbesondere der Block Walsum 10 betroffen.

    Dieser im Rahmen des Kohleausstiegsgesetzes im Juli 2020 von Bundestag und Bundesrat verabschiedete Ausschreibungsmechanismus war erst vor wenigen Tagen von der Wettbewerbskommission der Europäischen Union genehmigt worden. Beim Braunkohleausstieg, der über feste Entschädigungen geregelt wird, sind hingegen noch Fragen offen. Die EU-Kommission geht aktuell davon aus, dass dazu ein förmliches Prüfverfahren „gerechtfertigt" sein wird.

    STEAG hat bereits annähernd 80 Prozent ihrer eigenen Emissionen eingespart
    Mit der Abschaltung des Blocks 9 in Duisburg-Walsum wird der CO2-Ausstoß von STEAG weiter zurückgehen. Das Energieunternehmen hatte durch eigene Maßnahmen von 1990 bis 2020 bereits annähernd 80 Prozent seiner Emissionen in Deutschland dauerhaft eingespart. Damit liegt STEAG zeitlich und quantitativ weit vor den Einsparvorgaben, zu denen sich die Bundesrepublik im Rahmen völkerrechtlicher Verträge, wie etwa dem Pariser Klimaschutzabkommen, verpflichtet hat.