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  • STEAG will „grüne“ Wasserstoff-Produktion vorantreiben

    Konzept für „Hydrohub“ Fenne ist fertiggestellt / Bundesregierung muss Rahmenbedingungen schaffen

    „Grüner“ Wasserstoff soll nach dem Willen von Bundesregierung und Europäischer Union die Energiewende voranbringen und einen neuen Industriezweig schaffen. STEAG will diese Entwicklung mit dem innovativen Projekt „Hydrohub Fenne“ im Saarland mit vorantreiben. Doch um die klimafreundliche Energie durchzusetzen, fehlen die entsprechenden Rahmenbedingungen - immer noch

    Ginge es nach Thomas Billotet, wäre das „Hydrohub“ Fenne schon im Einsatz: „Wir haben das Projekt praktisch ausführungsreif ausgearbeitet. Allerdings müssen noch einige Rahmenbedingungen geklärt werden, das betrifft die Investitionskosten, die Absatzseite und auch die betriebliche Förderung“, sagt der Sprecher der Geschäftsführung der Saarbrücker STEAG New Energies (SNE).

    Standort Fenne ist „Reallabor der Energiewende“
    STEAG hatte das „HydroHub Fenne“ für den im vergangenen Jahr vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ausgerufenen Ideenwettbewerb „Reallabor der Energiewende“ konzipiert. Gesucht wurden Projekte, die innovative Verfahren für die Dekarbonisierung der Industrie und des Verkehrssektors durch CO2-freien Wasserstoff vorantreiben. Mit Erfolg: Das „Hydrohub Fenne“ ging als einer der Sieger aus dem Wettbewerb hervor und wurde seitdem zur Einsatzreife weiterentwickelt.

    „Eingesetzte Technik ist erste Wahl für grünen Wasserstoff.“

    Kernstück des „Hydrohub“ ist ein Elektrolyseur, der Wasser durch Elektrolyse in seine Grundkomponenten Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Die Anlage hat eine Leistung von 17,5 Megawatt (MW). „Die hier eingesetzte Elektrolysetechnologie mit sogenannten Proton-Exchange-Membranen ist technisch die erste Wahl bei der Herstellung von ,grünem’ Wasserstoff“, erklärt Philipp Brammen, der das gemeinsam mit der Siemens AG, dem Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz geplante Projekt für STEAG koordiniert.

    Standort mit Potenziale bei der Sektorenkopplung
    Das Energieunternehmen wählte das saarländische Fenne als Standort des „Hydro-Hub“, weil hier gleich mehrere Anlagen zur Erzeugung von Strom, Fernwärme und Prozessdampf nah beieinander betrieben werden: Das Modellkraftwerk Völklingen, die Heizkraftwerke Völklingen und Fenne I, eine Grubengasmotorenanlage und eine Gasturbine bilden schon heute einen Energieknotenpunkt, an dem Stromnetz, Fernwärmenetz sowie eine Gaspipeline zusammenlaufen.

    Ideale Voraussetzungen also für einen Energieträger wie Wasserstoff, der vor allem das Problem der Sektorenkopplung, also die bereichsübergreifende, energetische Verknüpfung von Energieerzeugung, Industrieproduktion, Mobilität lösen soll. Herausforderungen bestehen dabei insbesondere bei Speicherung und Umwandlung von Energie in die jeweils benötigte Form.

    Fortgeschrittenes Planungsstydium
    Das Projekt „HydroHub“ hat das finale Planungsstadium bereits seit geraumer Zeit durchschritten – mit der Realisierung hat das STEAG-Management allerdings gewartet, bis die Bundesregierung ihre lange angekündigte Wasserstoffstrategie tatsächlich beschlossen hat. Denn bei aller Begeisterung für die neue Technologie, die den Kommissions-Vizepräsidenten der Europäischen Union (EU), Frans Timmermanns, zu dem Ausspruch verleitete, „Wasserstoff ist der Rockstar sauberer Energien“: Die Produktion des klimafreundlichen Energieträgers ist kein ökologischer Selbstzweck. Es muss sich ein Markt entwickeln, auf dem Abnehmer bereit sind, „grünen“ Wasserstoff in so großen Mengen zu ordern, dass Unternehmen wie STEAG die Produktion mit Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg betreiben können.

    „Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft als konzertierte Aktion verstehen.“

    Diesen sogenannten Markthochlauf hat die Bundesregierung zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) gemacht. Bis 2030 sollen Erzeugungsanlagen für „grünen“ Wasserstoff mit einer Gesamtleistung von bis zu fünf Gigawatt (GW) errichtet werden. Zum Vergleich: In der gesamten EU soll die Wasserstoffproduktion bis 2024 bis zu sechs GW betragen. Weitere fünf GW sollen in Deutschland laut NWS bis 2035 oder spätestens 2040 folgen; in der EU sollen es bis 2030 mindestens 40 GW sein. Konkret heißt es in der NWS: „Angebot, Versorgung und Nachfrage werden immer zusammenhängend betrachtet.“ Insgesamt neun Milliarden Euro will die Bundesregierung zur Förderung der Wasserstoffproduktion in und für Deutschland investieren; zwei Milliarden davon sind ausdrücklich für internationale Kooperationsprojekte vorgesehen.

    „Der Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft muss als konzertierte Aktion verstanden werden, damit sich die in diesen Energieträger gesetzten Hoffnungen auch erfüllen können“, sagt Joachim Rumstadt, Vorsitzender der STEAG-Geschäftsführung. „Fürs Erste muss es jedoch darum gehen, eine Wasserstoffwirtschaft erfolgreich zu etablieren. Dafür braucht es Elektrolyseure im industriellen Maßstab und Industriekunden.“

    Entlastung bei Betriebskosten notwendig
    Wichtig wäre dafür aus Sicht von STEAG vor allem eine Entlastung bei den Betriebskosten. Denn für die Wasserstoffproduktion wird viel „grüner“ Strom, erzeugt beispielswiese in Windkraft und Photovoltaik-Anlagen, benötigt - und der ist inklusive aller Abgaben und Steuern teuer – mit entsprechenden Folgen für die Wirtschaftlichkeit des „grünen“ Wasserstoffs. Immerhin haben Bundesregierung und EU in ihren Wasserstoffstrategien mit Überlegungen zur weitgehenden Befreiung der Wasserstoff-Produktion von Steuern und Abgaben sowie einer europaweiten Harmonisierung der Besteuerung die Weichen für den Weg zur Marktreife von „grünem“ Wasserstoff gestellt. So soll dessen Produktion beispielsweise von der EEG-Umlage befreit werden. Zudem soll geprüft werden, einen Teil der Mehrkosten des Energieträgers zu übernehmen – sofern damit CO2-Emissionen in der Industrie verhindert werden. Anders, als in den 1990er-Jahren, als es schon einmal einen Wasserstoff-Hype gab, ist die Bundesregierung also tatsächlich sichtbar darum bemüht, Förderanreize für Unternehmen, die in „grünen“ Wasserstoff investieren, zu setzen.

    „Die Wasserstoffstrategie will prüfen, Elektrolyse-Strom von Steuern und Abgaben zu befreien.“

    „Die NWS enthält einen Prüfauftrag, den für Elektrolyse-Anlagen benötigten Strom von Steuern und Abgaben zu befreien“, erklärt Philipp Brammen. „Das ist ein entscheidender Hebel, die Marktreife von technischen Innnovationen zu fördern und Konzepten wie unserem zur Umsetzung zu verhelfen. SNE-Geschäftsführer Thomas Billotet mahnt allerdings zur Eile: „Es sind noch Weichen zu stellen und diese Weichen müssen schnell gestellt werden. Sonst fährt der Zug aus deutscher Sicht ab. Wenn andere Länder die Nase vorn haben, sind wir im Hintertreffen. Und das wäre schade, weil wir die Ingenieurkompetenz und auch die Standortflächen zur Verfügung haben, wenn wir das verspielen würden.“

    Wasserstoff als flexibler Speicher
    Der Standort Fenne wäre vor allem ideal, um die Dekarbonisierungs-Möglichkeiten in gleich mehreren Sektoren zu demonstrieren: In Wirtschaft, Verkehr und Wärmeerzeugung. Denn das „Hydrohub “ könnte als Energieknotenpunkt Wasserstoff für verschiedene Anwendungen produzieren: Zum einen könnte der Energieträger von hier dem Erdgasnetz beigemischt werden. Zum anderen könnte er in derzeit nicht mehr genutzte, für den reinen Wasserstoffbetrieb geeignete Rohrleitungen eingespeist und zu potenziellen Verbrauchern transportiert werden. Aus dem Pufferspeicher könnte der Wasserstoff schließlich auch in die am Kraftwerksstandort vorhandenen Motoren abgegeben oder in einem neuen Gaskraftwerk verbrannt werden, um elektrische und thermische Energie, etwa für die Fernwärmeversorgung, zu erzeugen. „Damit übernähme Wasserstoff als Energieträger faktisch eine Speicherfunktion, um die Energieversorgung auch dann sicherzustellen, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht“, so Philipp Brammen.

    Politik weiß um die Potenziale von Wasserstoff
    Auch industrielle Abnehmer des klimafreundlichen Energieträgers sitzen quasi vor der Haustür: Stahlproduzenten wie etwa die Saarstahl-Gruppe. Denn aus Sicht von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hängt die zukünftige Stahlproduktion in Deutschland stark von erneuerbaren Energien ab. „Der Schlüssel, um die Stahlbranche in Deutschland zu halten, ist der Einsatz von ,grünem’ Wasserstoff“, sagt die CDU-Politikerin. Um die Bedeutung von Wasserstoff für den Wirtschaftsstandort Saar weiß auch die Landesregierung. „Das Saarland ist Stahlland, und schon vor Corona war es richtig, Stahl zu fördern, der ökologisch hergestellt wird, etwa durch Wasserstofftechnologie. Jetzt ist das überlebensnotwendig“, so der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU).

    Auch aus Sicht von Thomas Billotet sind Projekte wie das „Hydrohub Fenne“ alternativlos, wenn die Bundesregierung die „grüne“ Wasserstofftechnologie vorantreiben möchte: „Wir brauchen hier Demonstrationsprojekte, damit wir die Technologie erstens und erproben und zweitens potentiellen Kunden auch vorführen und beweisen können, dass es funktioniert und wir hier einen guten technischen Stand haben.“

    „Wir brauchen Demonstrationsprojekte.“

    Auch aus Sicht von Thomas Billotet sind Projekte wie das „Hydrohub Fenne“ alternativlos, wenn die Bundesregierung die „grüne“ Wasserstofftechnologie vorantreiben möchte: „Wir brauchen hier Demonstrationsprojekte, damit wir die Technologie erstens und erproben und zweitens potentiellen Kunden auch vorführen und beweisen können, dass es funktioniert und wir hier einen guten technischen Stand haben.“