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  • Intelligentes Energiekonzept

    STEAG macht aus Kokereigas in Bottrop Strom, Wärme und Dampf

    Seit mehr als 90 Jahren wird auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Prosper-Haniel Koks für Hochöfen zur Stahlgewinnung erzeugt. Vor acht Jahren übernahm Arcelor-Mittal das Traditionsunternehmen auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks in Bottrop. Gemeinsam mit dem weltgrößten Stahlhersteller investiert STEAG nun in ein ressourcenschonendes Energiekonzept, das die im Produktionsprozess der Kokerei entstehenden Gase künftig klimafreundlich verwertet und daraus effektiv Strom, Wärme und Dampf gewinnt.

    Rund zwei Millionen Tonnen Koks erzeugt Arcelor-Mittal derzeit pro Jahr auf dem ehemaligen Zechengelände der RAG. In den insgesamt 146 Koksöfen werden Koks, Gas und hochwertige Kohlenwertstoffe erzeugt. Hauptabnehmer für den Koks ist das Arcelor-Mittal-Stahlwerk in Bremen. Die Gase werden zu etwa 45 Prozent wieder dem Produktionsprozess zugeführt, die Restmenge verkauft.

    „Heute ist das Verständnis für die Umwelt und der Wunsch nach einem anderen Umgang mit Ressourcen sehr viel stärker entwickelt als zu der Zeit, in der Arcelor-Mittal die Anlage übernommen hat“, erklärt Joachim Rumstadt, Vorsitzender der STEAG-Geschäftsführung. „Und auch die technischen Möglichkeiten sind sehr viel weiter entwickelt. Mit unserem individuell auf den Standort ausgerichteten und ressourcenschonenden Energiekonzept haben wir Arcelor-Mittal überzeugt und investieren außerdem selbst in Bottrop.“

    Getragen wird das künftige Gemeinschaftskraftwerk, das ab 2023 Strom, Wärme und Dampf produzieren soll, von der eigens gegründeten Kraftwerksgesellschaft Gemeinschaftskraftwerk Bottrop GmbH, an der STEAG und Arcelor-Mittal zu jeweils 50 Prozent beteiligt sein werden. „Damit dokumentieren wir auch unser Engagement für zukunftsweisende Energielösungen im Ruhrgebiet“, so Joachim Rumstadt.

    Entstehen wird das Gemeinschaftskraftwerk, das aufgrund des kontinuierlich anfallenden Kokereigases als sogenanntes Grundlast-Kraftwerk ausgelegt werden kann, auf der Fläche der RAG-Zentralwerkstatt der ehemaligen Zeche. Die moderne Anlage mit einer Leistung von rund 110 Megawatt (MW) wird nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten und Strom erzeugen, der in das öffentliche Stromnetz eingespeist und den jährlichen Strombedarf von mehr als 200.000 Haushalten abdecken wird. Die gleichzeitig mit einer Leistung von bis zu 60 MW gewonnene Fernwärme wird in das Fernwärme-Verteilnetz in Bottrop eingeleitet und kann rechnerisch rund 3.000 Haushalte mit Heizenergie und Warmwasser versorgen. Darüber hinaus wird das neue Kraftwerk auch noch Dampf auskoppeln, der für den Kokereiprozess benötigt wird.

    „Wir haben diese Anlage so konzeptioniert, dass sie unter den Aspekten Umwelt- und Ressourcenschutz sowie Effizienz und Output die bestmöglichen Ergebnisse erzielt“, erläutert Dr. Dirk Schettler, STEAG-Projektleiter für dieses Vorhaben und Geschäftsführer der neuen Kraftwerksgesellschaft Gemeinschaftskraftwerk Bottrop GmbH. „Mit diesen Bausteinen leistet das geplante Kraftwerk einen wichtigen Beitrag zur Energiewende in Deutschland und insbesondere für den Standort Bottrop.“

    Aktuell wertet das Projekt-Team die Angebote verschiedener Anbieter aus, die sich auf die Ausschreibungen hin beworben hatten. „Was wir hier umsetzen werden, ist technisch anspruchsvoll: Koksofengas besteht zu 60 Prozent aus Wasserstoff. Demzufolge verbrennt das Gas mit sehr hoher Temperatur bei über 1.200 Grad. Die Kraftwerkskomponenten müssen also entsprechend ausgelegt sein, um diesen hohen Anforderungen gerecht zu werden. Und das auf Dauer.“ Das bedeutet, dass die Komponenten die derzeit angepeilte Laufzeit des Gemeinschaftskraftwerks von 15 Jahren ab Inbetriebnahme störungsfrei überstehen und bei weitergehender Nutzung auch über 25 Jahre standhalten müssen.

    Parallel begleitet Dr. Dirk Schettler das Genehmigungsverfahren zum Bau des Gemeinschaftskraftwerks. Die Genehmigung hat nach den geltenden Bestimmungen für Kraftwerksanlagen gemäß dem Bundes-Immissionsschutzgesetz zu erfolgen. Dieser Vorgang liegt in der Verantwortung der Bezirksregierung Münster, die auch die Öffentlichkeit beteiligt. Außerdem findet eine Umweltverträglichkeitsprüfung statt. „Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wird die Bezirksregierung sicherstellen, dass es für die Bürgerinnen und Bürger Bottrops nicht zu unzulässigen Belastungen kommt“, sagt der Geschäftsführer der neuen Kraftwerksgesellschaft. „Dabei werden die Emissionen der Kokerei an sich als Vorbelastung im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung mit berücksichtigt.“ Die Nutzung der im neuen Werk erzeugten Fernwärme gestaltet sich problemlos: „Aktuell ist die Einspeisung von Fernwärme in die bestehende standortnahe Leitung der STEAG geplant.“

    Und zu guter Letzt gewinnt der Standort Bottrop auch Arbeitsplätze: „Wenn wir 2023 in Betrieb gehen, werden hier bis zu 30 neue Industriearbeitsplätze entstehen“, so Dr. Dirk Schettler. „Das ist für das nördliche Ruhrgebiet ein gutes Signal.“