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  • STEAG schafft sich solide Grundlage für die Zukunft

    Transformationsprozess schreitet voran / Einmaleffekte bescheren verbessertes Gesamtergebnis / 45 Millionen Euro Ausschüttung an Kommunale Beteiligungsgesellschaft

    Der STEAG-Konzern hat seine Erträge im abgelaufenen Geschäftsjahr stabilisiert: Trotz eines rückläufigen Gesamtumsatzes verbesserte das Energieunternehmen sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 31 Prozent auf 210,2 Millionen Euro. Zwar ist dies im Wesentlichen durch Einmaleffekte bedingt, doch ohne diese Sonderfaktoren läge das EBIT bei einem deutlich geringeren Umsatzergebnis noch immer in etwa auf Vorjahresniveau. Damit hat sich der deutschlandweit tätige Strom- und Wärmeerzeuger und international agierende Betreiber von Energieerzeugungsanlagen in einem schwierigen Marktumfeld erfolgreich behauptet und gleichzeitig eine solide Grundlage geschaffen, um die großen Herausforderungen des laufenden Jahres zu bestehen.
     

    Das Geschäftsjahr 2019 in Zahlen

    Aufgrund der insgesamt geringeren Auslastung der inländischen Steinkohlekraftwerke, die sich in einer hieraus resultierenden, saldierten Darstellung der Handelsgeschäfte abbildet, sank der Konzernumsatz 2019 von 2,9 Milliarden im Vorjahr auf 2,1 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis hingegen verbesserte sich im Vergleich zu 2018 deutlich: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg von 160,6 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 210,2 Millionen Euro - hierzu trugen als positiver Einmaleffekt die erstmalig vollständige Abbildung des Kraftwerks Bergkamen in der STEAG-Bilanz nach Übernahme der ursprünglich von RWE gehaltenen Anteile bei. Das Konzernergebnis nach Steuern beträgt 131,9 Millionen Euro und hat sich somit gegenüber dem Vorjahreswert von 12,7 Millionen Euro vervielfacht. Die Gesamtliquidität im Konzern betrug am Ende des Geschäftsjahres 432,9 Millionen nach 565,5 Millionen Euro im Vorjahr. Positiv ist der Anstieg des Free Cashflows von 100,5 Millionen im Jahr 2018 auf nunmehr 218,5 Millionen Euro zu vermerken. An die Gesellschafterin, die Kommunale Beteiligungsgesellschaft KSBG, werden wie im Vorjahr 45 Millionen Euro abgeführt. „Wir haben 2019 wesentliche Unternehmensziele erreicht“, sagt Joachim Rumstadt, Vorsitzender der STEAG-Geschäftsführung.

    „Wir haben 2019 wesentliche Unternehmensziele erreicht.“

    Zugleich hat STEAG den eigenen Transformationsprozess von abgelaufenen Geschäftsjahr stetig vorangetrieben: So gelang STEAG im Wachstumsmarkt Photovoltaik mit der STEAG Solar Energy Solutions (SENS) eine strategisch wichtige Akquisition. Zu den Kernkompetenzen von SENS gehören die Entwicklung und schlüsselfertige Errichtung großer Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen. Auf Sizilien entwickelt SENS gemeinsam mit einem Finanzinvestor rund 440 Megawatt Freiflächen-Photovoltaik. Die Anlagen decken rechnerisch den Strombedarf von rund 350.000 Haushalten mit CO2-frei produzierter Energie.
     

    Wichtige Meilensteine erreicht

    Auch im zukunftsweisenden Energiesektor Wasserstoff zählt STEAG zu den treibenden Kräften: Mit dem vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen des Programms „Reallabore der Energiewende“ geförderten Projekt „HydroHub Fenne“ leistet das Energieunternehmen einen Beitrag, das Saarland als traditionsreichen Energiestandort weiterzuentwickeln. Am STEAG-Kraftwerk Fenne in Völklingen sollen in Zeiten eines Überangebots an Wind- und Sonnenenergie mithilfe eines Elektrolyseurs große Mengen an grünem Wasserstoff erzeugt werden, bei dessen Verbrennung klimaschädliche Emissionen vermieden werden. Dieser kann anschließend in saarländischen Stahlunternehmen für deren industriellen Prozesse, aber auch ins regionale Gasnetz eingespeist werden und zusätzlich öffentliche Wasserstoff-Tankstellen im Saarland versorgen. Zudem kann Wasserstoff wieder zur Stromerzeugung genutzt werden. Und die Wärme, die bei der Erzeugung des Wasserstoffs entsteht, kann in das Netz des Fernwärmeverbunds Saar (FVS) ausgekoppelt werden.

    Ihren Traditionsstandort Herne belebt STEAG neu: Gemeinsam mit dem Partner Siemens baut das Energieunternehmen dort ein hocheffizientes Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD). Die Anlage, die schon Mitte 2022 in den regulären Betrieb gehen soll, arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und wird für die umweltfreundliche Fernwärmeversorgung von rechnerisch 300.000 Haushalten im Herzen des Ruhrgebiets sorgen. Mit der Investition eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags, den sich die Projektpartner je zur Hälfte teilen, tragen STEAG und Siemens so aktiv zum Gelingen der Energiewende bei. Denn in der Zeit des Übergangs auf eine klimaneutrale Energieerzeugung wird die CO2-arme Erdgasverstromung als Brückentechnologie unverzichtbar sein. „GuD-Anlagen werden nach dem Ausstieg aus der Kernenergie und der Beendigung der Kohleverstromung das Rückgrat einer sicheren Energieversorgung in Deutschland bilden“, sagt Joachim Rumstadt. „Und langfristig könnte im GuD Herne auch grüner Wasserstoff zum Einsatz kommen.“

    Rund 20 Kilometer weiter nördlich errichtet STEAG in Gelsenkirchen-Scholven auf dem Gelände der BP-Raffinerie für den Mineralölkonzern eine neue Prozessdampfversorgung. Dabei werden Raffineriegase verfeuert, die bis dato ungenutzt abgefackelt werden, und somit energetisch nutzbar gemacht. Das schont die Umwelt und spart Ressourcen. Und für den Fall, dass von der Raffinerie einmal weniger Prozessdampf abgenommen würde als aus der Verfeuerung der Raffineriegase zur Verfügung steht, wird mit dem überschüssigen Dampf mittels einer Kondensationsturbine Strom produziert. Das Projekt „Steam“ sorgt also für eine bestmögliche energetische Verwertung der bisher ungenutzten Raffineriegase.
     

    STEAG erhält grünes Rating

    Der konsequent vorangetriebene Umbau des STEAG-Konzerns zahlt sich auch bei den erweiterten Möglichkeiten zur Finanzierung des Unternehmens aus. Anfang des Jahres schloss STEAG den Prozess für ein grünes ESG-Rating erfolgreich ab. Ein solches Rating, das insbesondere Umwelt- und Nachhaltigskeitsaspekte bewertet, wird als Auswahlkriterium für institutionelle Investoren zunehmend wichtiger. Auf dieser Basis strebt STEAG in an, zukünftig erstmals grüne Finanzierungsinstrumente zu platzieren.
     

    Respektable Klimabilanz

    „Diese Beispiele zeigen, dass STEAG die Beschlüsse des Pariser Klimaschutzabkommens und die CO2-Reduzierungsziele der Europäischen Union in ihrem unternehmerischen Handeln konkret Rechnung trägt“, so Joachim Rumstadt. „Unsere Klimabilanz kann sich sehen lassen: Im Vergleich zu 1990 hat STEAG seine CO2-Emissionen bis Ende 2019 um 79 Prozent gesenkt. Lange bevor das Kohleausstiegsgesetz verabschiedet sein wird, hat STEAG mit eigenen finanziellen Mitteln bereits einen Großteil seiner Steinkohlekraftwerke in Deutschland stillgelegt.“

    Auch im Jahr 2020 wird STEAG die strategische Neuaufstellung des Unternehmens vorantreiben. Bereits seit Monaten arbeiten Expertenteams aus den unterschiedlichen Bereichen des Konzerns an der Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie. Für 2020 sind Investitionen von bis zu 212 Millionen Euro geplant; rund 120 Millionen Euro davon entfallen auf Wachstumsprojekte. Zum Vergleich: 2019 investierte STEAG insgesamt 136,9 Millionen Euro. „Dank der technischen und energiewirtschaftlichen Kompetenz, die STEAG sich in ihrer mehr als 80-jährigen Unternehmensgeschichte erworben hat, werden wir uns auch auf den Energiemärkten der Zukunft erfolgreich positionieren“, so Joachim Rumstadt.

    „Dank der technischen und energiewirtschaftlichen Kompetenz, die STEAG sich in ihrer mehr als 80-jährigen Unternehmensgeschichte erworben hat, werden wir uns auch auf den Energiemärkten der Zukunft erfolgreich positionieren.“

    Allerdings muss sich das Unternehmen, das konzernweit insgesamt 6.378 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt, von denen knapp die Hälfte im Ausland tätig ist, mit belastenden, negativen Vorzeichen auseinandersetzen: So plant der Deutsche Bundestag voraussichtlich im Sommer das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG) zu verabschieden. „Für die Betreiber von Steinkohlekraftwerken wird dies nach derzeitigem Stand eine zügige Stilllegung ihrer Anlagen voraussichtlich bis spätestens 2030 und nicht wie bei Braunkohlekraftwerken erst bis 2038 zur Folge haben. Auch bei den Entschädigungszahlungen ist die Steinkohle im Vergleich zur Braunkohle im Nachteil. Dies ist eine klare Abkehr von den Empfehlungen der ‚Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung‘“, kritisiert Joachim Rumstadt.

    Trägt die Bundesregierung den Einwänden, die nicht nur von STEAG und anderen Betreibern von Steinkohlenkraftwerken, sondern auch vom Bundesrat geteilt werden, nicht Rechnung, behält sich STEAG vor, Klage gegen das Gesetz zu erheben. „Wir akzeptieren den gesellschaftlichen Willen und die politische Entscheidung zum Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland“, so der Vorsitzende der STEAG-Geschäftsführung. „Aber wir können uns mit der aktuell geplanten gesetzlichen Umsetzung nicht einverstanden erklären.“
     

    Corona belastet Wirtschaft

    Ein weiterer erheblicher Belastungsfaktor sind wie auch in der übrigen Wirtschaft die Folgen der Coronakrise: Die ersten Auswirkungen hat STEAG bereits in den vergangenen Wochen zu spüren bekommen: Große Energieverbraucher, insbesondere aus der Industrie, drosseln oder unterbrechen ihre Produktion. Die Folge: Die Stromnachfrage sinkt und die Strompreise fallen. „Der Start in das Jahr 2020 war recht erfreulich, denn in den ersten drei Monaten lagen wir deutlich über Plan“, sagt Joachim Rumstadt. „Doch nun gibt es eine deutliche Trendwende.“ Das gilt insbesondere für den für STEAG wichtigen Strommarkt Türkei.
     

    Ausblick auf 2020

    Für das laufende Geschäftsjahr war die STEAG-Geschäftsführung zu Jahresbeginn noch von einem Umsatzanstieg auf 2,4 Milliarden Euro ausgegangen. Für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) war wegen des Fehlens ähnlich hoher positiver Einmaleffekte wie 2019 zunächst ein Minus von rund zehn Prozent prognostiziert worden. „Wegen der Auswirkungen der Coronakrise gehen wir nunmehr davon aus, dass die ursprünglichen Planungen trotz bereits eingeleiteter ergebnissteigernder Maßnahmen bedauerlicherweise nicht mehr erreicht werden können“, sagt Joachim Rumstadt.