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  • STEAG halbiert seine CO2-Emissionen

    Agora Energiewende: Umbau der Braunkohlenwirtschaft kommt bei der Energiewende Schlüsselrolle zu

    Die Energiewende schreitet voran, im Jahr 2017 lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland mit 36,4 Prozent auf Rekordniveau. Das erhöht derzeit vor allem den wirtschaftlichen Druck auf die Betreiber von Steinkohlekraftwerken: Wie STEAG haben in der jüngeren Vergangenheit auch andere Energieunternehmen wegen des Anstiegs des Ökostromangebots Anlagen vom Netz nehmen müssen.

    Diese Entwicklung lässt sich auch am Energiemix ablesen: Laut einer aktuellen Analyse ist der Anteil der Stromerzeugung aus Steinkohle 2017 deutlich zurückgegangen: Während 2016 die Stromproduktion aus Steinkohle noch 17,3 Prozent der Gesamterzeugung ausmachte, waren es im vergangenen Jahr nur noch 14,4 Prozent. Mit deutlichen Auswirkungen für die nationale Klimabilanz: Denn entsprechend ging auch der CO2-Ausstoß von Steinkohlekraftwerken zurück - von 87 Millionen Tonnen im Jahr 2016 auf 73 Millionen Tonnen 2017 - eine Abnahme um deutliche 16 Prozent. Mehr als die Hälfte dieser eingesparten Emissionen gehen auf das Konto der STEAG: Im STEAG-Kraftwerkspark ging der CO2-Ausstoß in 2017 um mehr als die Hälfte, auf aktuell 8,9 Millionen Tonnen zurück. STEAG nahm in eigener wirtschaftlicher Verantwortung Kraftwerke vom Netz und ohne für die Stilllegungen staatliche Ausgleichzahlungen zu erhalten. 

    Trotz aller Bemühungen stagniert der Klimaschutz in Deutschland 2017. Zu diesem Ergebnis kamen auch CDU und SPD, die das deutsche Klimaschutzziel für 2020 gleich zu Beginn der Koalitionsgespräche Anfang des Jahres kippten. Die geplante Verringerung des CO2-Ausstoßes sei unerreichbar. 

    „Steigende Verbräuche von Benzin, Diesel und Erdgas sowie eine konstant hohe Braunkohleverstromung führen dazu, dass die Treibhausgasemissionen Deutschlands 2017 auf hohem Niveau verharren und wir seit 2014 nicht vom Fleck kommen“, erläutert Dr. Patrick Graichen, Direktor des in Berlin ansässigen energiewirtschaftlichen Instituts  Agora, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, nach mehrheitsfähigen Kompromiss-Lösungen beim Umbau des Stromsektors zu suchen. 

    In der Stromproduktion ,verhageln’ vor allem die Braunkohlekraftwerke die Klimabilanz: Deren CO2-Emissionen sanken nach den Erhebungen von Agora Energiewende 2017 von 153 auf lediglich 151 Millionen Tonnen, also um ganze 1,3 Prozent. Der CO2-Ausstoß fiel damit doppelt so hoch aus wie der aus Steinkohle-Kraftwerken. „Die Ursache dafür liegt in den niedrigen kurzfristigen Betriebskosten von Braunkohle-Kraftwerken“, sagt Dr. Patrick Graichen. „Diese sind im unmittelbaren Vergleich zu Steinkohlekraftwerken günstiger, so dass Strom aus Braunkohle an der Strombörse bisher nur in sehr geringem Maße von der Einspeisung erneuerbarer Energien betroffen ist. Zunächst sind davon im Handel immer Steinkohle- und Gaskraftwerke betroffen. Lediglich an Tagen mit viel Wind und Sonne bei gleichzeitig niedriger Stromnachfrage tangiert das Angebot auch die Braunkohlestrom-Erzeuger, aber das ist noch eine Ausnahme.“ 

    Das Problem: Die Produktion von Strom aus Braunkohle ist zwar erheblich günstiger, aber pro erzeugter Kilowattstunde Strom entstehen im Vergleich zu Strom aus Steinkohle rund 30 Prozent mehr CO2 – das macht sich in der CO2-Gesamtbilanz entsprechend negativ bemerkbar. 

    „Die besonders CO2-intensive Braunkohleverstromung wird aufgrund der niedrigen CO2-Preise bis auf Weiteres nur dann sinken, wenn Braunkohlekraftwerke aufgrund anderer politischer Maßnahmen abgeschaltet, in die Braunkohle-Sicherheitsbereitschaft überführt oder in ihrer Jahresarbeit begrenzt werden“, erklärt der Direktor der Agora Energiewende. In der Agora-Studie ,Elf Eckpunkte für einen Kohlekonsens’ aus dem Jahr 2016 wurde mit Bezug auf die Braunkohle unter anderen empfohlen, keine weiteren Braunkohle-Tagebaue aufzuschließen und einen geregelten Ausstiegspfad für die bestehenden Braunkohlekraftwerke zu vereinbaren. 

    Ebenso warb Agora für eine Abgabe auf die künftig noch zu fördernde Braunkohle, um hieraus die Folgelasten der Braunkohle-Tagebaue zu finanzieren. Und auch an die hiervon betroffenen Regionen im Rheinischen Revier sowie in der Lausitz hatten die Energiewende-Experten in ihren Ausführungen gedacht: Sie forderten eine aktive Gestaltung und vor allem dauerhafte finanzielle Absicherung des ausstiegsbedingten Strukturwandels in den Braunkohle-Abbauregionen über einen Strukturwandelfonds mit einem Volumen von insgesamt 2,5 Milliarden Euro. 

    „Dem Umbau der Braunkohlenwirtschaft kommt bei der Energiewende eine Schlüsselrolle zu“, sagt Dr. Patrick Graichen. „Deutschland wird sein Klimaschutzziel 2020 leider verfehlen. Um das Klimaziel 2030 in jedem Fall zu erreichen, wie es die Bundesregierung vereinbart hat, muss maßgeblich auch über den Umgang mit der Braunkohle gesprochen werden.“ 

    Um das zu planen, wurde von der Bundesregierung die sogenannte Strukturkommission ins Leben gerufen. Hier sitzen gleich vier Ministerien am Tisch: Wirtschaftsministerium, Umweltministerium, Arbeitsministerium und das Innenministerium. Die Geschäftsstelle für die organisatorischen Aufgaben wird im Wirtschaftsministerium angesiedelt. Denn der Ausstieg aus der emissionsintensiven Verstromung von Braunkohle ist notwendig, um die nationalen Klimaschutzziele zu erreichen, birgt aber strukturpolitische Herausforderungen.

    Bild: Fotolia / frenta