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  • Fernwärme von STEAG: Kohlefrei und sicher!

    An Ruhr und Saar hat STEAG frühzeitig die Weichen für die Wärmeversorgung von morgen gestellt

    Der Abschied vom Energieträger Steinkohle kommt für STEAG schneller als von vielen erwartet. Spätestens im Herbst kommenden Jahres wird mit Ausnahme der jungen und hocheffizienten Anlage Walsum 10 in Duisburg kein Steinkohlekraftwerk des Unternehmens in Deutschland mehr am Netz sein. Für Walsum 10 wird aktuell ein Brennstoffwechsel von Steinkohle auf Biomasse oder Holzpellets geprüft. Damit setzt STEAG seinen Dekarbonisierungskurs konsequent weiter fort: Seit 1990 hat das Unternehmen seine inländischen CO2-Emissionen dauerhaft um rund 85 Prozent reduziert.

    Weil jedoch mehrere der demnächst endgültig vom Netz gehenden STEAG-Kraftwerke an Ruhr und Saar bisher nicht nur Strom, sondern auch Wärme produziert haben, hat STEAG bereits frühzeitig damit begonnen, die Fernwärmeversorgung auf alternative Wärmequellen umzustellen und damit zukunftsfest zu machen.

    „Der Kohleausstieg hat uns nicht unvorbereitet getroffen, im Gegenteil. Denn wir haben rechtzeitig vorgesorgt und Alternativen entwickelt“, sagt Michael Straus, Geschäftsführer der STEAG Fernwärme GmbH, dem größten Fernwärmeunternehmen in NRW mit Kundinnen und Kunden in Essen, Gelsenkirchen und Bottrop.

    Neues Kraftwerk in Herne spart 70.000 Tonnen CO2

    Eine wichtige Maßnahme, alternative Wärmekapazitäten für die Fernwärmeversorgung im Ruhrgebiet zu erschließen, ist der Neubau eines hocheffizienten Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerks (GuD) in Herne. Das neue Kraftwerk geht im Sommer 2022 in Betrieb und ersetzt einen bisher steinkohlebefeuerten Kraftwerksblock. „Die Anlage erzeugt Energie noch dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Das heißt, sie produziert zugleich Strom und Wärme. Das spart Ressourcen und schont die Umwelt“, sagt Kai Braekler, der bei STEAG das Neubauprojekt leitet. Insgesamt bedeute der Brennstoffwechsel jährliche CO2-Einsparungen von bis zu 70.000 Tonnen.

    Michael Straus, Geschäftsführer der STEAG Fernwärme GmbH.

    Zudem ist das neue GuD-Kraftwerk schon heute in der Lage, zu einem gewissen Anteil auch Wasserstoff zu verbrennen – eine Option, die die CO2-Bilanz in Zukunft weiter verbessern könnte. Voraussetzung ist allerdings, dass das bestehende Erdgasnetz entsprechend ertüchtigt wird, um Wasserstoff transportieren zu können.

    Aktuell geht STEAG auch die Umrüstung des seit gut dreißig Jahren in Kraft-Wärme-Kopplung betriebenen Steinkohleblocks in Herne auf Erdgasbefeuerung an: Als reiner Heizkessel dient die Anlage künftig der Besicherung der Fernwärmeversorgung, für den Fall, dass die neue GuD-Anlage einmal nicht zur Verfügung stehen sollte. Weitere CO2-Minderungen ergeben sich für die Fernwärme aus der Umstellung von STEAG-Heizwerken in Essen auf Erdgasbefeuerung; hinzu kommen zwei neue Wärmespeicher, die in Essen und Gelsenkirchen in den nächsten Jahren entstehen sollen. „All dies sorgt dafür, dass die klimafreundliche Fernwärmeversorgung unserer Kunden schon heute bestens auf das bevorstehende Aus der Steinkohlekraftwerke vorbereitet ist“, fasst Michael Straus zusammen.

    Das neue GuD in Herne sichert die Fernwärmeversorgung im Ruhrgebiet langfristig.

    Weitere Wärmequellen im Blick

    Allerdings ruht man sich bei STEAG auf dieser Situation nicht aus, sondern hat bereits neue Ziele im Blick: „Wir sind aktuell in guten Gesprächen, weitere Wärmequellen gerade auch im Bereich der industriellen Abwärme für die Fernwärmeversorgung zu erschließen“, so Matthias Ohl, technischer Geschäftsführer der Steag Fernwärme. Die Nutzbarmachung industrieller Abwärme ist doppelt sinnvoll: Zum einen wird so Wärme, die sonst ungenutzt bliebe, für die Fernwärme erschlossen und macht diese damit noch umweltverträglicher. Zum anderen hilft die Abwärmenutzung Industriebetrieben dabei, ihre eigenen Dekarbonisierungsziele zu erreichen. „Wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen, ist das eine echte Win-win-Situation für die Beteiligten Unternehmen und die Erreichung der Klimaziele“, so Matthias Ohl.

    Aus der Zeit gefallen: FWSRR ist überholt

    Ganz folgenlos bleibt der Kohleausstieg für die Fernwärme im Ruhrgebiet allerdings nicht: Das absehbare Aus für die Steinkohlenkraftwerke in Duisburg-Walsum und Herne hat zur Folge, dass die vor Jahren geplante „Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr“ (FWSRR) nicht wie ursprünglich geplant gebaut werden wird. „Gemeinsam mit unseren Projektpartnern Energieversorgung Oberhausen AG (evo) und der Fernwärmeversorgung Niederrhein sind wir übereingekommen, die bestehenden Planungen nicht in ihrer ursprünglichen Form weiterzuverfolgen“, sagt Michael Straus.

    „Wir sind übereingekommen, die ursprünglichen Planungen nicht weiterzuverfolgen.“

    Michael Straus, Geschäftsführer der STEAG Fernwärme GmbH.

    Denn in Vorbereitung auf den Kohleausstieg hätten die Partner im Verlauf des wegen des langwierigen Planfeststellungsverfahrens für das Mammutprojekt zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit zwischenzeitlich auf alternative Konzepte gesetzt. „Mit dem Kraftwerksneubau von STEAG in Herne sowie weiteren Investitionen in moderne erdgas- und biomassebefeuerte Anlagen zur Wärmeerzeugung in Oberhausen und Dinslaken erreichen die Partner der FWSRR auch ohne den ursprünglich geplanten Leistungsausbau schon jetzt die mit dem Projekt angepeilten CO2-Einsparungen von 100.000 Tonnen pro Jahr“, so Michael Straus.

    Passgenaue Weiterentwicklung statt Großprojekt

    Für den Steuerzahler in NRW bedeutet diese Entscheidung, dass die für die FWSSR vorgesehenen Fördermittel im dreistelligen Millionenbereich nun anstelle der Förderung eines Großprojekts einer Reihe vergleichsweise kleinerer, lokaler Maßnahmen zum Ausbau der Fernwärme zugutekommen: „Unser Ziel ist es, weitere Wärme- bzw. Abwärmequellen zu erschließen, neue Versorgungsgebiete anzubinden und die klimafreundliche Fernwärme im Ruhrgebiet so noch weiter voranzubringen. Und weil jede dieser Maßnahmen die CO2-Bilanz der Fernwärme weiter verbessert, profitieren Kunden und Umwelt von diesem Weg noch mehr als von der FWSSR in ihrer ursprünglichen Planung“, zeigt Michael Straus die Vorteile der neuen Entwicklungsstrategie auf.

    In den ursprünglichen Planungen für die FWSRR hatten insbesondere das Kraftwerk in Herne und der bereits stillgelegte Kraftwerksblock Walsum 9 eine entscheidende Rolle gespielt. „Das Aus für diese Anlagen kam insofern aber noch rechtzeitig, als der Baubeginn der FWSRR noch nicht beschlossen war, denn damit waren dem Vorhaben von vornherein die wirtschaftlichen Grundlagen entzogen. Mit dem nun gemeinsam mit unseren Projektpartnern eingeschlagenen Weg der Weiterentwicklung der klimafreundlichen Fernwärme auf lokaler Ebene lässt sich in Summe letztlich viel mehr erreichen“, sagt auch Thomas Grimberg, der für STEAG der Geschäftsführung der FWSRR-Projektgesellschaft angehört.

    Abwärme statt Steinkohle auch an der Saar

    Ganz ähnlich verhält es sich an der Saar, wo STEAG New Energies und der Fernwärme-Verbund Saar (FVS) frühzeitig die Weichen für eine Fernwärmeversorgung jenseits der Steinkohle gestellt haben.

    Auch hier wird das bisher Strom und Wärme erzeugende Steinkohlekraftwerk am Standort Völklingen-Fenne spätestens im Herbst 2022 endgültig stillgelegt werden. Wenn es so weit ist, stehen verlässliche Alternativen parat: STEAG hat eine Reihe älterer Gasmotorenanlagen am Standort Völklingen-Fenne modernisiert. Damit einher ging eine Leistungssteigerung der ebenfalls nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung arbeitenden Anlagen.

    „Die Gasmotoren verfeuern teils Erdgas, teils Grubengas und leisten damit einen besonderen Beitrag zum Klimaschutz, denn das stark methanhaltige Grubengas wäre, falls es nicht verbrannt würde, um den Faktor 21 klimaschädlicher als das bei der Verbrennung entstehende CO2“, erläutert Jürgen Kirsch, Geschäftsführer des FVS.

    Das BHKW Camphausen nutzt Abwärme aus Grubenwasser.

    „Verfeuerung von Grubengas schont das Klima.“

    Jürgen Kirsch, Geschäftsführer des Fernwärme-Verbunds Saar.

    AVA Velsen liefert 170 Mio. kWh Wärme

    Für Zeiten besonders hoher Nachfrage insbesondere in den Wintermonaten gehen schon zum Beginn der Heizperiode 2021 in Völklingen und Saarlouis neue, ebenfalls erdgasbefeuerte Heizwerke in Betrieb. 2022 wird dann auch der Umbau der Abfallverwertungsanlage (AVA) Velsen abgeschlossen sein; anschließend wird die Anlage 170 Millionen Kilowattstunden (kWh) umweltfreundliche Wärme ins Netz des FVS einspeisen – zum Vorteil auch der CO2-Bilanz der Fernwärmeversorgung: „Bislang lagen die CO2-Emissionen für eine Kilowattstunde Fernwärme bei etwa 135 Gramm. Verglichen mit einer Gas- oder Ölheizung, die etwa 200 bzw.  mehr als 260 Gramm freisetzen, war schon dieser Wert deutlich niedriger. Dank des hohen regenerativen Anteils der künftig von der AVA Velsen gelieferten Wärme wird sich dieser Wert noch einmal spürbar verbessern“, erläutert Florian Eder, der das Projekt bei STEAG leitet.

    Abwärme aus Grubenwasser spart CO2-Emissionen

    Ähnlich innovativ ist auch das Konzept, mit dem STEAG im saarländischen Camphausen künftig Fernwärme erzeugt: Als regenerative Wärmequelle dient hier das Grubenwasser einer früheren Zeche. Das Wasser, das ansonsten ungenutzt in einen nahegelegenen Fluss eingeleitet würde, hat eine Temperatur von 36 Grad Celsius. Die im Wasser enthaltene Wärme lässt sich mit einer Wärmepumpe für die Wärmeversorgung nutzbar machen. „Auf diese Weise sparen wir Erdgas und schonen damit Umwelt und Klima – und das in durchaus erheblichem Maße, denn wir sprechen hier über jährlich vermiedene CO2-Emissionen von rund 6.300 Tonnen“, erläutert STEAG-Projektleiter Christoph Traum.

    Alle hier skizzierten Maßnahmen stehen insofern nicht allein für sich, sondern sind jeweils wichtige Teilschritte auf dem Weg hin zu einer dauerhaft sicheren, steinkohlefreien und CO2-armen Fernwärmeversorgung von STEAG an Ruhr und Saar. „Auch über den weitgehend erfolgreich gestalteten Kohleausstieg von STEAG hinaus gilt insofern unverändert das Motto: ‚Wir sorgen für sichere Energie. Jetzt und in Zukunft‘“, sagt Joachim Rumstadt, Vorsitzender der Geschäftsführung der STEAG GmbH.