• DE
  • „Es gibt viel zu tun, und wir packen es an!“

    Joachim Rumstadt im Gespräch über STEAG im Auf- und Umbruch

    STEAG steckt mitten in einem grundlegenden Transformationsprozess, der das Unternehmen bereits spürbar verändert hat. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, wird das Profil von STEAG ein anderes sein: Ein Gespräch mit Joachim Rumstadt, dem Vorsitzenden der STEAG-Geschäftsführung, über Veränderung, Verantwortung und Visionen.

    Herr Rumstadt, STEAG war zwischenzeitlich in unruhigerem Fahrwasser. Woran lag das?

    Wir stecken mitten in einem von uns selbst angestoßenen Prozess der Veränderung und Neuausrichtung. Das betrifft sowohl die Frage, was wir künftig tun als auch die Frage, wie wir es tun werden. Wir richten uns als Unternehmen also einerseits inhaltlich neu auf die Zukunftsfelder der Energiewirtschaft aus. Und andererseits passen wir dabei auch unsere Unternehmensstruktur und
    -organisation an, um für die Zukunft bestmöglich aufgestellt zu sein.

    Sie sagen: „selbst angestoßener Prozess“ – wie meinen Sie das? Natürlich ist die Transformation, die wir gerade durchlaufen, vor allem den sich seit längerer Zeit ändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Energieunternehmen geschuldet. Hier nenne ich stellvertretend für eine Reihe von Faktoren nur den für STEAG unstreitig relevantesten Aspekt, nämlich den Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland. Insofern könnte man in der Tat meinen, dass am Anfang des Prozesses ein externer Impuls stand. Das ist jedoch mit Blick auf STEAG nicht zutreffend.

    „Bereits vor der Verabschiedung des Kohleausstiegs haben wir uns auf den Weg gemacht, uns neu aufzustellen.“

    Joachim Rumstadt

    Vielmehr haben wir uns bereits vor der Verabschiedung des entsprechendes Gesetzes auf den Weg gemacht, uns neu aufzustellen. Schon 2017 und 2018 haben wir in Lünen und Voerde Kraftwerke stillgelegt, denen eine wirtschaftliche Perspektive fehlte. Aber der Druck auf uns und andere Betreiber von Steinkohlekraftwerken hat sich ohne Frage noch einmal erhöht, so wie das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz ausgestaltet ist.

    Inwiefern?

    Ohne den von einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit getragenen Beschluss zur Beendigung der Kohleverstromung infrage zu stellen, muss man gerade im Vergleich mit den für die Braunkohle getroffenen Regelungen feststellen: Die Steinkohle ist über das für sie gewählte Stilllegungsverfahren per Auktion deutlich benachteiligt. Materiell ist die Steinkohle deutlich schlechter gestellt, was die Entschädigung pro Megawatt installierter Kraftwerksleistung angeht. Hinzu kommt: Es fehlt an Planungssicherheit – für das Unternehmen, für unsere Beschäftigten und auch für die Kommunen, die natürlich gerne wissen möchten, was zukünftig an unseren Kraftwerksstandorten geschieht, welche Pläne wir haben.

    Zuletzt gab es aber auch positive Nachrichten, was das Thema Kohleausstieg betrifft …

    In der Tat. In der letzten Runde der Stilllegungsauktionen ist STEAG mit drei Blöcken bezuschlagt worden. Damit besteht nun für alle Beschäftigten Planungssicherheit und auch ein Rechtsanspruch auf Anpassungsgeld (APG). Im Ergebnis wird spätestens ab Herbst kommenden Jahres nur noch ein STEAG-Kohlekraftwerk am Netz sein. Alle anderen sind bis dahin stillgelegt oder durch Übertragungsnetzbetreiber und Bundesnetzagentur in die Netzreserve überführt.

    „Ab Herbst 2022 wird nur noch der Block Walsum 10 in Betrieb sein.“

    Joachim Rumstadt

    Nur der Block Walsum 10 in Duisburg wird dann noch in Betrieb sein. Auch für ihn prüfen wir bereits die Optionen: Zur Diskussion steht auch ein Brennstoffumstieg auf Biomasse. Andererseits steht noch nicht fest, welche Sonderregelung die Bundesregierung für die Stilllegung der „jungen“ Steinkohlekraftwerke treffen wird. Sie hat sich dazu gesetzlich verpflichtet.

    Worin drückt sich die Transformation von STEAG konkret aus?

    Wir haben schon frühzeitig sehr nüchtern analysiert, welcher Kraftwerksstandort welche Zukunftsperspektiven hat. Im Ergebnis haben wir uns von den Kraftwerken an den Standtorten in Lünen und Voerde getrennt. Im Falle Lünens war das besonders schmerzlich, denn dort stand gewissermaßen die Wiege von STEAG – es war das erste unserer Kraftwerke. Insofern war das für alle Beteiligten auch ein emotionaler Moment. In Herne, einem weiteren traditionsreichen Kraftwerksstandort, vollziehen wir gerade den Umstieg von Kohle auf Erdgas. Dieser Schritt macht auch die maßgeblich aus dem Kraftwerk Herne mittels Kraft-Wärme-Kopplung gespeiste Fernwärme im zentralen Ruhrgebiet noch einmal ein ganzes Stück klimafreundlicher. Die verbliebenen Kraftwerksblöcke an Ruhr und Saar stehen – wie gesagt – alle zur endgültigen Stilllegung spätestens im kommenden Jahr an; der Kraftwerksblock 9 in Duisburg-Walsum ist bereits in diesem Sommer stillgelegt worden. Über den Sonderfall Walsum 10 haben wir gerade gesprochen. Und was mit den saarländischen Kraftwerken Weiher und Bexbach geschehen wird, liegt nicht in unserer Hand: Beide sind seitens des Netzbetreibers Amprion jüngst erst bis Frühjahr 2025 als systemrelevant erklärt worden.

    Das ist gewissermaßen der Blick zurück. Wie sieht der Blick in die Zukunft aus?

    Positiv. Kurzfristig wird zuvorderst die Refinanzierung von KSBG, also der Beteiligungsgesellschaft, in der sich unsere kommunalen Anteilseigner zusammengeschlossen haben, und STEAG gelöst, STEAG entwickelt mit Partnern zwei bedeutende Wasserstoffprojekte an Ruhr und Saar, unser Engagement in Sachen erneuerbarer Energien wächst beständig, vor allem im Bereich der Photovoltaik. Darüber hinaus bietet STEAG dank eines umfassenden und über die Jahrzehnte gewachsenen technischen Know-hows maßgeschneiderte Lösungen zur Dekarbonisierung der Industrie an. Hier kommt uns zugute, dass wir selbst an dieser Stelle mit gutem Beispiel vorangegangen sind: Seit 1990 hat STEAG seine jährlichen CO2-Emissionen in Deutschland dauerhaft um rund 85 Prozent gesenkt.

    „STEAG hat die inländischen CO2-Emissionen von 1990 bis heute um annähernd 85 Prozent reduziert.“

    Joachim Rumstadt

    Wir liegen damit sowohl zeitlich wie auch quantitativ weit vor den gesetzlichen Vorgaben. Und übrigens auch vor dem, was bundespolitisch aktuell an Verschärfungen der Emissions- und Klimaschutzziele diskutiert wird.

    Wo steht STEAG in zehn Jahren?

    In zehn Jahren wird STEAG sich in neuer Anteilseignerstruktur erfolgreich auf den Wachstumsfeldern der Energiewirtschaft etabliert haben. STEAG wird neue Gesellschafter gefunden haben, die den erfolgreich begonnenen Transformationsprozess begleiten und fördern. STEAG erweist sich wegen der erworbenen Kompetenzen bei Planung, Bau und Betrieb komplexer energietechnischer Anlagen und Systeme als erfolgreicher Ermöglicher der Energiewende und bleibt ein wichtiger Akteur auf den nationalen und internationalen Märkten der Energiewirtschaft.

    Herr Rumstadt, vielen Dank für das Gespräch.