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  • Abschied vom Ursprung

    STEAG meldet Blöcke Lünen 6 und 7 zur endgültigen Stilllegung an. Modellkraftwerk Völklingen-Fenne wird zwei Jahre saisonal betrieben.

    Stilllegung an der Wiege der STEAG: Dort, wo das Energieunternehmen vor 80 Jahren mit der Stromproduktion begann, wurden Anfang März die beiden Kraftwerksblöcke Lünen 6 und 7 zur endgültigen Stilllegung bei der Bundesnetzagentur angemeldet. Das Ende der Stromproduktion wurde für den 2. März 2019 angezeigt. Nach der Schließung des Kraftwerkstandortes in Voerde und der Stilllegung von Herne 3 im vergangenen Jahr wird STEAG Anfang 2019 dann innerhalb von vier Jahren rund 40 Prozent seiner inländischen Steinkohle-Kraftwerksleistung abgeschaltet haben. Damit ist der Anpassungsprozess in NRW abgeschlossen.

    „Wir kämpfen um jeden Kraftwerksblock“, sagt Joachim Rumstadt, Vorsitzender der Geschäftsführung der STEAG GmbH. „Allerdings gehen wir nicht davon aus, dass Block 7 in Lünen auch aufgrund seines Alters künftig ausreichend positive Deckungsbeiträge erwirtschaftet.“ Zwar hat STEAG auch an seinem Gründungsstandort über mehrere Jahrzehnte durch Nachrüstungen Wirkungsgrad, Flexibilität, Automatisierung und Umweltschutz auf höchstem Niveau gehalten. Dennoch sieht die STEAG-Geschäftsführung unter ökonomischen Aspekten keine Möglichkeit mehr, den Kraftwerksblock profitabel zu betreiben: „Wir haben verschiedene Szenarien durchgerechnet, aber keines ermöglicht aus heutiger Sicht einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb“, erläutert Joachim Rumstadt. Block 6 in Lünen liefert vertraglich gebunden noch bis Ende 2018 Strom für die Deutsche Bahn. „Nach Auslaufen des Vertrags sehen wir auch für diesen Block keine Perspektive mehr.“

    Bedingt durch den politisch forcierten Ausbau der Erneuerbaren Energien und den damit im Zusammenhang stehenden sinkenden Strompreisen an der Leipziger Börse produzierte Block 7 kaum noch Strom. Für die Zukunft drohten die Stillstandzeiten der Anlage noch weiter zuzunehmen. Aus diesem Grund will STEAG diesen Kraftwerksblock schon 2018 nur noch saisonal betreiben und von Anfang April bis Ende September vorübergehend vom Netz nehmen.

    Stellenabbau sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen

    Über die endgültige Stilllegung der beiden Blöcke mit einer Gesamtleistung von rund 500 Megawatt muss die Bundesnetzagentur auf Antrag des Übertragungsnetzbetreibers Amprion entscheiden. Die Behörde wird ihre Entscheidung davon abhängig machen, ob der in Lünen erzeugte Strom systemrelevant für die Netzstabilität ist.

    Über die aktuelle Marktsituation und die daraus resultierenden Einschnitte wurde die Belegschaft in Lünen am 2. März persönlich von der Geschäftsführung informiert. Durch die Stilllegung des Kraftwerks an der Moltkestraße gehen in der Produktion rund 100 Arbeitsplätze verloren. Darüber hinaus sind etwa 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tochterunternehmens STEAG Technischer Service (STS) betroffen. „Wir haben bereits Ende 2016 gemeinsam mit der Geschäftsführung der STEAG und der Gewerkschaft IG BCE einen Konzernsozialplan und Rahmeninteressenausgleich erarbeitet“, erläutert der STEAG-Konzernbetriebsratsvorsitzende Ralf Melis. „Ziel ist es, den Stellenabbau sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen zu vollziehen. Das ist uns in Voerde gelungen, und das ist auch für Lünen unser Ziel“, sagt Melis. „Im nächsten Schritt handeln wir für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen einen Einzelinteressenausgleich aus.“

    Bereits bei der Gründung der STS im Jahr 2013 wurde im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vereinbart, dass in Fällen, in denen bisherige konzerninterne Aufträge entfallen, die STS-Kompetenzen stärker extern vermarktet werden. Diese Bemühungen werden nun intensiviert.

    Kraftwerk Völklingen-Fenne wird saisonal pausieren

    Auch im Saarland nimmt STEAG marktbedingt Anpassungen vor: Das Modellkraftwerk (MKW) Völklingen-Fenne wird von Anfang April bis Ende September ebenfalls in den saisonalen Betrieb gehen. „Nach den ersten Einschnitten im Saarland Ende 2016 wird der MKV-Block Fenne nur noch saisonal betrieben“, sagt Joachim Rumstadt. „Dadurch sparen wir erhebliche Kosten, weil wir das Kraftwerk in den Sommermonaten nicht betriebsbereit halten müssen.“ Wegen des hohen Angebots an Wind- und Solarstrom ist die Nachfrage nach Strom aus konventionellen Kraftwerken in den Sommermonaten erfahrungsgemäß gering.

    „Im Paket mit den jetzigen Maßnahmen ist der Anpassungsprozess aus heutiger Sicht abgeschlossen“, sagt Joachim Rumstadt. „Für unsere leistungsfähigen Kraftwerke im Ruhrgebiet sehen wir eine gute Perspektive. Wir gehen davon aus, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach dem Ausstieg aus der Kernenergie deutlich verbessern.“