Wachstumsfaktor Innovation

Vom Entsorger für Reststoffe im Kraftwerksbetrieb zu einem hochspezialisierten Unternehmen ideenreicher Produkte für Bauen, Umweltschutz und Industrie: Wie ausgeprägt das Innovationspotenzial innerhalb des STEAG Konzerns ist, zeigt die Geschichte von STEAG Power Minerals.

 

 

Als 1979 der Vorläufer der heutigen STEAG Power Minerals (SPM), die STEAG Entsorgungs GmbH, gegründet wurde, war deren Geschäftszweck schlicht gehalten: Das Tochterunternehmen mit Sitz in Dinslaken sollte Verwertungstechniken für Kraftwerksnebenprodukte entwickeln und entsprechende Aufbereitungsanlagen hierfür betreiben. Hintergrund: Beim Betrieb von Steinkohlekraftwerken fallen Nebenprodukte wie Flugasche, Kesselasche und – durch die Rauchgasreinigung mittels des sogenannten Kalkwaschverfahrens – Gips an.

„Schon damals war der nachhaltige Umgang mit Ressourcen bei STEAG ein Thema“, sagt Andreas Hugot, der heute gemeinsam mit Stephan Altendeitering die Geschäfte der SPM führt. „Seit 1974 war in Deutschland für neue Steinkohlekraftwerke die Rauchgasentschwefelung vorgeschrieben, ab 1983 mussten auch ältere Blöcke dafür nachgerüstet werden. STEAG hatte aber schon zu Beginn der 70er-Jahre im Kraftwerk Lünen erste Versuche mit dem Kalkwaschverfahren gestartet und entsprechende Erfahrungen gesammelt.“ Durch die Rauchgasentschwefelung (REA) entsteht REA-Gips, der sich von Naturgips hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung nicht unterscheidet und deshalb zur Herstellung von Baustoffen verwendet werden kann.

Kunden loben hohe Kompetenz und große Hilfsbereitschaft

Customer Order Shop
Der Innovationsdrang der SPM macht auch vor der eigenen Geschäftsabwicklung nicht halt: Als Ergebnis einer Prozessexzellenz- Initiative wurden die operativen Geschäftsprozesse innerhalb des Unternehmens umgestellt und so eine höhere Effizienz erzielt. Im vergangenen Jahr wurde mit dem internetbasierten ,Customer Order Shop‘ ein neuer Vertriebskanal implementiert, der den SPM-Kunden einen 24/7-Service und darüber hinaus in der Bestellabwicklung zusätzlichen Mehrwert bietet. Diese und weitere Neuerungen werden derzeit im Rahmen des Projekts ,Roadmap to best practise‘ allen Tochtergesellschaften der SPM vorgestellt – mit der Zielsetzung, diese Effizienzvorteile dort ebenfalls zu realisieren.

Bereits zwei Jahre später war aus der Pflichtaufgabe eine Geschäftsidee geworden: Die STEAG Entsorgungs GmbH entsorgte nicht nur in STEAG-Kraftwerken, sondern bot diese Dienstleistung auch für Wettbewerber an. Mehr noch: Das Tochterunternehmen vermarktet die Reststoffe erstmals auch durch aktive Ansprache von potenziellen Kunden vor allem in der Bauwirtschaft. „In dieser Zeit ist ein Netzwerk entstanden, das wir über die Jahre ausgebaut haben und das heute ein maßgeblicher Faktor für die gute Stellung der STEAG Power Minerals im Wettbewerb ist“, erläutert Andreas Hugot, der 1992 in das Unternehmen kam und den Ausbau mit vorantrieb. So entwickelte die SPM-Vorgängergesellschaft nicht nur die technischen Anlagen weiter, sondern baute sogar ein eigenes Kalksandsteinwerk auf und konzipierte eine Rücktrocknungsanlage zur Aufbereitung von Flugasche, die in Europa einzigartig ist.

2001 rückte Andreas Hugot, damals gerade 36 Jahre alt, in die Geschäftsführung des Unternehmens auf, das inzwischen STEAG Power Minerals hieß. Ein Jahr später machte die SPM mit der Übernahme der ASIKOS Strahlmittel GmbH, Marktführer für Strahlmittel, auf sich aufmerksam – und wuchs weiter in beachtlichem Tempo. „Wir haben immer qualitativ hochwertige Produkte angeboten, deshalb haben wir unsere Kunden nicht nur halten können, sondern auch immer neue dazugewonnen“, so Andreas Hugot. „Was aber auch wesentlich war und ist: Hier arbeitet ein motiviertes Team, das Entsorgungs- und Verwertungsdienstleistungen aus einer Hand anbietet und dabei sehr nah am Kunden ist. Selbst wenn die Rohstofflage einmal knapp ist, bemühen wir uns, bis wir eine Lösung für unsere Kunden gefunden haben.“

Derart großes Engagement macht sich bemerkbar: In einer 2016 beauftragten ,Kundenzufriedenheitsbefragung‘ waren 92 Prozent der Abnehmer ,zufrieden bis sehr zufrieden‘ mit dem Service der SPM-Mitarbeiter. Besonders gelobt wurden deren hohe Kompetenz und die große Hilfsbereitschaft.

Photoment® – Beitrag zur Senkung der NOx-Belastung in Innenstädten

Photoment®
Der Betonzusatzstoff besteht aus Flugasche sowie Titandioxid und wird Baumaterialien zugesetzt. Unter Lichteinwirkung wird auf einer Photoment ®- Oberfläche eine sogenannte photokatalytische Reaktion ausgelöst, durch die giftige Stickoxide (NOx) aus der Luft in ungiftiges Nitrat umgewandelt werden. Die Wirkungsweise der SPM-Erfindung überzeugte nicht nur die Jury von Europas größtem Umwelt- und Wirtschaftspreis, die das STEAGTochterunternehmen mit einem Green- Tec-Award 2016 auszeichnete, sondern auch Verantwortliche in Kommunen, die angesichts steigender NOx-Belastungen in den Innenstädten vor die Wahl gestellt sind, entweder Fahrverbote für Diesel- Fahrzeuge zu verhängen oder durch den Einsatz von Photoment® das Problem zu entschärfen.

Ein weiterer Treiber des Wachstums der STEAG Power Minerals ist ihre Innovationskraft. Die bildet sich unter anderem in den Labors des Unternehmens am Sitz der SPM-Tochter MINERAL Plus in Gladbeck ab. Dort betreibt das Unternehmen Labore für Baustoff, für Brennstoff und für Abfallanalytik. Diese dienen nicht nur der regelmäßigen Qualitätsprüfung der hauseigenen Produkte, sondern bieten ihr Know-how auch Kunden an und tüfteln neue Produkte aus. Auch die Idee zum inzwischen weltweit erfolgreich vermarkteten Betonzusatzstoff Photoment® wurde hier entwickelt (siehe Infos). „Die Entwicklung und der Vertrieb von Photoment® zeigen, wozu wir bei STEAG Power Minerals fähig sind“, sagt Dennis Pannen, der den Vertrieb des mit dem Greentec Award ausgezeichneten SPM-Produkts verantwortet. „Das ist pure Innovation, die von unseren Kunden nutzbringend eingesetzt werden kann. Das ist der Kern unserer Unternehmensphilosophie.“ Nachdem im Ruhrgebiet bereits unter anderem die Städte Bottrop und Dortmund und in Baden-Württemberg Laupheim und Stuttgart mit Photoment® versehene Pflastersteine verlegt haben, ist inzwischen auch eine Kooperation mit dem südkoreanischen Pflastersteinhersteller Decopave Ltd. vereinbart.

Überhaupt ist die STEAG Power Minerals inzwischen international ausgerichtet: Aus dem 2013 mit der Hawar Power Minerals eingegangenen Joint Venture ist eine Partnerschaft geworden – 2016 erwarb das in Katar ansässige Unternehmen 30 Prozent an der SPM. Inzwischen hat der einstige Entsorgungsbetrieb neben dem Engagement in Katar Beteiligungen an Unternehmen in Großbritannien, Benelux und Polen sowie Niederlassungen in Ost- und Süddeutschland. „Die SPM und ihre Beteiligungen sind ein innovatives Netzwerk, in dem ein intensiver Austausch stattfindet“, erklärt SPM-Geschäftsführer Stephan Altendeitering. „Wobei unsere Tochterunternehmen selbstständig agieren. Wir initiieren, fördern und managen den Wissenstransfer.“ Dabei bauen Altendeitering und sein Geschäftsführer-Kollege Hugot auf ein junges Team. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, auch junge Kolleginnen und Kollegen in Leitungspositionen zu setzen“, sagt Andreas Hugot. „Das macht einen nicht unerheblichen Teil unserer Dynamik aus.“

Innovatives Denken: Düngemittel aus Biomasse-Flugasche

Biolite Technologies®
Als Reaktion auf das veränderte Marktumfeld in Großbritannien hat sich die dort ansässige Power Minerals Ltd. neu ausgerichtet und den Geschäftsbereich Biolite Technologies gegründet. Bereits im Jahr 2015 sicherte sich das Unternehmen die Patente und Lizenzen für das sogenannte ,Global Enrichment‘- Verfahren, mit dem Biomasse- Flugasche in Düngemitteln verwertet werden kann. Nach einer intensiven Entwicklungs- und Testphase sollen in Kürze größere Mengen der Produkte ,Vitality+‘ und ,Maxolite‘ produziert werden. Ein Unterschied zur Verwertung von Steinkohlen-Flugasche: Die Abnehmer stammen hier nicht aus der Baubranche, sondern aus der Landwirtschaft und dem Gartenbau.

Dynamik und Flexibilität – diese Faktoren werden für die STEAG Power Minerals künftig noch wichtiger werden. Denn bedingt durch den Wandel in der Energiebranche vornehmlich in Deutschland müssen die SPM-Mitarbeiter zunehmend mehr Aufwand betreiben, um Wünschen ihrer Kunden gerecht zu werden. „Durch die Abschaltung weiterer Steinkohlekraftwerke fallen in Zukunft natürlich auch weniger Kraftwerksnebenprodukte an“, erklärt Wolfgang Beer, Leiter des SPM-Vertriebs. „Im Bereich Strahlmittel beispielsweise verzeichnen wir einen erheblichen Rückgang von Schmelzkammer-Granulat. Deshalb beschäftigen wir uns ständig mit Fragen wie: Welche Produkte gibt es? Und wo bekommen wir die? Dabei kommt uns unser über Jahrzehnte aufgebautes Netzwerk zugute.“ Und manchmal müssen die SPM-Mitarbeiter auch komplett neu denken: In Großbritannien beispielsweise wurden viele Kohlekraftwerke auf Biomasse umgestellt. Es stellte sich also die Frage, was sich aus den Reststoffen machen lässt. „Unser Tochterunternehmen Power Minerals Ltd. entwickelt derzeit ein Düngemittel aus Biomasse-Flugasche“, sagt Wolfgang Beer – da ist sie wieder, die Innovationskraft, die die STEAG Power Minerals so erfolgreich macht.