Traditioneller Standort ... fortschrittliche Technologie

Seit 57 Jahren ist STEAG im nordrhein-westfälischen Herne mit Energieerzeugung aus Steinkohle aktiv.

Nun wird die Erfolgsgeschichte mit einem ,fuel change‘ fortgesetzt: Ab 2022 wird das Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk Herne 6 Strom und Wärme erzeugen.

„Die Entscheidung ist uns schwergefallen“, sagt Joachim Rumstadt. „Über Jahrzehnte an einem Standort tätig zu sein, schafft Verbindungen, die über die wirtschaftliche Tätigkeit hinausgehen.“ Auch deshalb hat das geplante Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk (GuD) für den Vorsitzenden der STEAG-Geschäftsführung eine besondere Relevanz. „Mit dem Neubau eines GuD-Kraftwerks setzen wir am Standort Herne die Erfolgsgeschichte fort. Und mit Blick auf die Empfehlungen der Kohlekommission und den geplanten Kohleausstieg im Jahr 2038 schaffen wir uns eine zusätzliche Erzeugungsoption.“

Umweltfreundlich, leise und mit 85 Prozent Nutzungsgrad eines der effizientesten Kraftwerke weltweit
Zur Realisierung dieses Projekts suchte sich STEAG einen ebenso kompetenten wie erfahrenen Kooperationspartner: den Siemens-Konzern, der mit seiner hochspezialisierten Kraftwerksparte über jahrzehntelange Erfahrung im Bau von Energieerzeugungsanlagen jeder Größenordnung verfügt. „Wir sind überzeugt, dass Siemens der richtige Partner für dieses wichtige und zukunftsweisende Projekt ist“, sagt Joachim Rumstadt. „Der Konzern verfügt – und das wissen wir aus gemeinsamen Projekten – über eine exzellente Expertise als Kraftwerksbauer.“

Nachdem die Freigabe durch das Kartellamt vorlag, haben STEAG und Siemens, die eigens für dieses Projekt eine gemeinsame Gesellschaft gründeten, zu Beginn des Jahres mit den vorbereitenden Arbeiten begonnen: Zunächst wird das Areal zwischen Rhein-Herne-Kanal und Hertener Straße durch Rodungs- und Erdarbeiten baureif gemacht. Nach dieser sogenannten Baufeldvorbereitung soll, sobald die notwendigen behördlichen Genehmigungen vorliegen, spätestens im Herbst 2019 mit dem Bau des Kraftwerks begonnen werden.

„Mit dem Neubau eines GuD-Kraftwerks setzen wir die Erfolgsgeschichte in Herne fort.“

Joachim Rumstadt, Vorsitzender der Geschäftsführung, STEAG

Herne und STEAG – das ist eine langjährige Verbindung: 1962 gingen in der Hertener Straße im Stadtteil Baukau zwei Blöcke mit einer Leistung von jeweils 150 Megawatt (MW) in Betrieb. 1966 folgte ein dritter Block mit einer Leistung von 300 MW, 1989 schließlich Block IV, der bis heute 500 MW leistet. In Zeiten der Vollauslastung erzeugte das Kraftwerk Herne 5,2 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom und 0,8 Milliarden kWh Fernwärme, die von hier aus zentral in die Fernwärmeschiene Ruhr eingespeist wurde. Infolge der Energiewende allerdings entschied die STEAG-Geschäftsführung, die Blöcke 1, 2 und 3 aus wirtschaftlichen Gründen vom Netz zu nehmen. Seit dem Sommer 2017 erzeugt einzig noch Block 4 Strom und Wärme aus Steinkohle.

Nach Fertigstellung wird Herne 6 mit einer erdgasbetriebenen Turbine eine elektrische Leistung von 630 MW erzeugen. Das Kraftwerk wird zudem bis zu 400 MW Fernwärme auskoppeln. Herne ist der zentrale Einspeisepunkt für die Fernwärmeschiene Ruhr. Über ein 37 Kilometer langes Rohr leitungssystem werden Zehntausende Haushalte, Krankenhäuser und Verwaltungsgebäude in den drei Ruhrgebietsstädten Gelsenkirchen, Essen und Bottrop mit umweltfreundlicher Fernwärme versorgt. „Mit der Kombination von Strom- und Wärmeerzeugung wird das GuD einen Gesamtnutzungsgrad von 85 Prozent erreichen“, erklärt Joachim Rumstadt. „Damit wird Herne 6 eine der effi zientesten, umweltfreundlichsten und außerdem leisesten Anlagen der Welt sein.“ Auch in Herne selbst wird dem Bau des hochmodernen GuD, in das STEAG und Siemens einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag investieren, positiv entgegengesehen: „Wir sind froh über den ökonomischen Gewinn, über die Menschen, die in der Bauphase nach Herne kommen, als Ort der Beschäftigungssicherung, aber auch der ressourcenschonenden Innovation“, sagt Dr. Frank Dudda, SPD-Oberbürgermeister der 160.000-Einwohner-Kommune.

„Die Versorgungssicherheit der Zukunft wird von Gaskraftwerken und Speichertechnologien abhängen“
Wichtig wird das GuD Herne aber auch unter dem Aspekt der Versorgungssicherheit werden: Gemäß den Empfehlungen der Kommission ‚Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung‘ sollen in Deutschland bis zum Jahr 2030 insgesamt zwölf Gigawatt Leistung aus Braunkohle- sowie 15,7 Gigawatt aus Steinkohle-Kraftwerken vom Netz gehen. Aus erneuerbaren Energien sollen bis dahin landesweit 65 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden. Zum Vergleich: Derzeit liegt der Anteil des aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse erzeugten Stroms an der Stromerzeugung bei 35,2 Prozent.

„Wir sind froh über den ökonomischen Gewinn, über die Menschen, die in der Bauphase nach Herne kommen, als Ort der Beschäftigungssicherung, aber auch der ressourcenschonenden Innovation.“

Dr. Frank Dudda (SPD), Oberbürgermeister von Herne

Es stellt sich also einerseits die Frage, ob der Ausbau der erneuerbaren Energien im geplanten Maße gelingen kann. Und andererseits muss die Frage beantwortet werden, wie Versorgungssicherheit nach Abschaltung sämtlicher Kernund Kohlekraftwerke auch an den Tagen gewährleistet werden kann, an denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Diese Fragen treiben auch Patrick Graichen, Geschäftsführer der Denkfabrik Agora Energiewende, die Politik und Wirtschaft Denkimpulse für die Energiewende gibt, um: „In diesen Zeiten muss die Versorgungssicherheit durch eine Mischung aus Speicher- und Gaskraftwerken sichergestellt werden. Nach den Empfehlungen der Kohlekommission sehe ich aber, dass viele Investoren im Bereich neue Gaskraftwerke jetzt endlich Sicherheit haben.“

So verhält es sich auch bei der STEAG, die das Projekt Herne 6 mit aller Energie vorantreibt. Denn das Energieunternehmen beabsichtigt zusätzlich Fördergelder zu beantragen, die das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz für solche hocheffizienten und emissionsarmen Anlagen vorsieht.

Daran hat Joachim Rumstadt aber nicht den geringsten Zweifel: „Unsere technische Mannschaft ist erfahren, und wir haben mit Siemens einen starken Partner. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit dem GuD Herne 6 bis Ende 2022 in den kommerziellen Dauerbetrieb gehen können“, sagt der Vorsitzende der STEAG-Geschäftsführung. „Das wäre auch im Hinblick auf die Netzstabilität ein guter Zeitpunkt. Denn bis dahin werden in Deutschland die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet und bereits 30 Prozent der Leistung von Kohlekraftwerken nicht mehr am Netz sein. Dann sind wir für eine sichere Stromversorgung auch auf ein modernes Gas-und-Dampf-Kraftwerk wie Herne 6 angewiesen.“ Die endgültige Investitionsentscheidung soll bis zum Sommer 2019 getroffen werden.

In Gas-und-Dampf-Kombikraftwerken wird Gas als sogenannter Primärenergieträger zweifach genutzt. Somit weisen diese Kraftwerke einen höheren Wirkungsgrad als beispielsweise Kohle- oder Kernkraftwerke auf: Zunächst wird mit einer Gasturbine Strom erzeugt. Die dabei entstehenden Abgase, die bis zu 650 Grad Celsius heiß werden, gehen in einen nachgeschalteten Abhitzekessel, der wiederum als Dampferzeuger für die Dampfturbine wirkt, die mittels eines Generators ebenfalls Strom erzeugt. Und die in beiden Prozessen erzeugte Wärme wird zur Fernwärmenutzung eingespeist.