STEAG baut Wärmeversorgung der Zukunft

Damit die Energiewende gelingt, muss nicht nur die Stromproduktion neu aufgestellt werden, sondern auch die Wärmeerzeugung und -verteilung. Ein zentraler Baustein dabei ist Fernwärme. Mit dem Bau der Osttrasse in Essen demonstriert STEAG, wie Wärmeversorgung zukunftsweisend gestaltet werden kann.

Dieses Vorhaben zählt definitiv zur Kategorie ‚ambitioniert‘: Sechs Kilometer Fernwärme-Rohrleitungen werden in bis zu 2,50 Meter Tiefe quer durch den Osten der zweitgrößten Stadt im Revier verlegt. Neun Essener Stadtteile sollen bis Ende 2020 auf diese Weise ganz oder teilweise erschlossen werden. Rund 20 Millionen Euro investiert die STEAG Fernwärme Essen GmbH & Co. KG, ein gemeinsames Unternehmen der STEAG Fernwärme GmbH und der Stadtwerke Essen AG, in das Projekt Osttrasse.

Und nicht zuletzt: „Mit dem Ausbau des Verteilnetzes werden wir den Ausstoß von umweltschädlichen CO2-Emissionen im Osten der Stadt perspektivisch um bis zu 30 Prozent reduzieren. Bürgerinnen und Bürger in den Stadtteilen Frillendorf, Kray, Südostviertel, Huttrop, Bergerhausen, Rüttenscheid, Stadtwald, Margarethenhöhe und Bredeney können dann die klimafreundliche, sichere und komfortable Wärmeversorgung nutzen und die Wärmewende vor Ort unterstützen“, sagt Markus Manderfeld, Geschäftsführer der STEAG Fernwärme Essen.

Eine Herausforderung ist die Osttrasse auch unter planerischen und baulichen Gesichtspunkten. Denn um die 12.000 Meter Rohre – 6.000 Meter für den Heißwasserzulauf zu den Kunden und 6.000 Meter für den Rücklauf zum Heizwerk – mit einem Durchmesser von jeweils 80 Zentimetern unterirdisch zu verlegen, müssen in der Essener Innenstadt sechs Kilometer Straßen buchstäblich aufgerissen werden.

„Mit dem Ausbau des Verteilnetzes werden wir den Ausstoß von umweltschädlichen CO2-Emissionen im Osten der Stadt perspektivisch um bis zu 30 Prozent reduzieren.“

Markus Manderfeld, Geschäftsführer STEAG Fernwärme Essen

Um die Einschränkungen für die Anwohnerinnen und Anwohner sowie den Berufs- und Lieferverkehr so gering wie möglich zu halten, haben die Verantwortlichen von STEAG Fernwärme Essen die Gesamtstrecke in drei Bauabschnitte, die sogenannten Baulose, eingeteilt. „Mit den Baulosen 1 und 3 haben wir im Juni beziehungsweise im August begonnen, nun steht seit Anfang Oktober auch Baulos Nummer 2 an“, erklärt Projektleiter Georg Röttgers, der sich mit seinem Kollegen Hartwig Wolowski die Bauleitung für das Projekt Osttrasse teilt: „Drei Projektphasen parallel in eineinhalb Jahren, das ist ein ambitionierter Plan. Mit den ersten beiden Abschnitten liegen wir im Plan, und wir erwarten, dass das auch im dritten Abschnitt der Fall sein wird.“

Trotz sorgfältiger Planung und Abstimmung mit städtischen Behörden – wie zügig die Baumaßnahmen tatsächlich vonstattengehen, zeigt sich immer erst auf der Baustelle. „Es gibt im Ruhrgebiet ein schönes Sprichwort, das noch aus dem Bergbau stammt: ‚Vor der Hacke ist es duster‘“, sagt der STEAG-Ingenieur für Versorgungstechnik, der seit Projektbeginn jeden Tag auf den Baustellen verbringt. „Und das gilt auch hier: Niemand kann genau sagen, was genau unter dem Asphalt liegt. Da müssen wir flexibel sein und manchmal auch neu denken.“

In Abschnitten mit einer Länge von bis zu 250 Metern heben drei von STEAG beauftragte Tiefbauunternehmen die Rohrgräben für die neuen Fernwärmeleitungen aus. Anschließend werden diese mit speziellen Abstützwänden stabilisiert. „Das ist eine Art Wanderbaustelle“, erläutert Georg Röttgers. „Würden wir die Leitungen auf der grünen Wiese verlegen, könnten wir viel mehr Baukolonnen einsetzen und würden auch erheblich schneller vorankommen. Aber wir müssen Rücksicht auf die Gegebenheiten nehmen. In Essen ist der Verkehr ohnehin schon belastet. Und es gibt eine Grenze von Zumutbarkeiten.“

In den 3 Meter breiten und bis zu 2,50 Meter tiefen Gräben werden die jeweils 12 Meter langen Fernwärmerohre von Mitarbeitern der von STEAG beauftragten Rohrbaufirma Stück für Stück aneinandergereiht und dann im sogenannten Fallnahtschweißverfahren miteinander verbunden. In ihrem Inneren befindet sich ein Stahlrohr mit 60 Zentimeter Durchmesser, das mit einer 10 Zentimeter dicken Polyurethan-Dämmung ummantelt ist. „Das ist alles reine Handarbeit, ausgeführt von Spezialisten mit langjähriger Erfahrung“, so Georg Röttgers. „Das wird mindestens 50 Jahre Bestand haben, voraussichtlich sogar noch 30 Jahre länger.“ Zusätzlich werden Drähte für ein Leckortungssystem installiert. Dieses System ermöglicht es, potenzielle Leckagen an der Leitung, beispielsweise durch äußere Beschädigungen bei Straßenbauarbeiten, bis auf einen Meter genau zu lokalisieren.

„Die Fernwärme ist in ihrer Bedeutung für die Wärmewende aktiver Klimaschutz, und mit der Osttrasse legen wir in Essen quasi das Rückgrat für das zukünftige Fernwärmekonzept der STEAG Fernwärme Essen.“

Georg Röttgers, Projektleiter

In der Ruhrgebietsstadt, 2018 mit dem Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ ausgezeichnet, begleitet die Stadtverwaltung den Bau der Osttrasse trotz der zeitweisen Einschränkungen in der Innenstadt mit Wohlwollen: „Mit dem Ausbau der Fernwärme sorgen wir für mehr Lebensqualität, denn die Nutzung klimafreundlicher Fernwärme verbessert die CO2-Bilanz unserer Stadt deutlich“, sagt Oberbürgermeister Thomas Kufen. „Für dieses gemeinsame Ziel – pro Jahr rund 11.000 Tonnen CO2 einzusparen – unterstützen wir die aufwendige Bauphase.“

Und auch vonseiten des Landes wird der Ausbau des Fernwärmenetzes in Essen als ein maßgeblicher Beitrag zur Wärmewende und den Klimaschutz in Nordrhein-Westfalen begriffen. Aus diesem Grund wird der Bau der Osttrasse mit acht Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert, die durch das Land NRW im Rahmen der progres. nrw-Förderung vergeben werden – ein Beitrag mit Langfristwirkung: Denn die Osttrasse markiert erst den Beginn der Wärmewende in Essen. In den kommenden 15 Jahren soll das Fernwärmenetz der STEAG Fernwärme Essen auf insgesamt 90 Kilometer Länge ausgebaut werden. Über das erweiterte Rohrleitungsnetz soll klimafreundliche Fernwärme dann auf rechnerisch bis zu 20.000 zusätzliche Haushalte verteilt werden.

STEAG forciert damit am Stammsitz des Unternehmens eine Entwicklung, die zu Erreichung der Ziele, die sich die Bundesregierung mit dem ‚Klimapaket‘ gesetzt hat, dringend geboten ist. Denn bislang wurde bei der Energiewende fast nur der Strombereich angegangen, obwohl dieser lediglich etwa 20 Prozent des Endenergieverbrauchs ausmacht, die Wärmeerzeugung hingegen rund die Hälfte. Durch Fernwärmenetze wie das in Essen kann der Ausstoß von klimaschädlichem CO2, der zum Beispiel durch alte Heizungsanlagen entsteht, kräftig reduziert werden. Insofern ist die Fernwärme ein wichtiger Baustein für die Klimawende. Zumal die Heizenergie zu mehr als 90 Prozent im umweltschonenden Verfahren der Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt wird.

„Die Fernwärme ist in ihrer Bedeutung für die Wärmewende aktiver Klimaschutz“, sagt Georg Röttgers, „Und mit der Osttrasse legen wir in Essen quasi das Rückgrat für das zukünftige Fernwärmekonzept der STEAG Fernwärme Essen.“