Rohstoff Müll

Abfallvermeidung und Recycling haben hierzulande einen hohen Stellenwert. 80 Prozent des Mülls aus Haushalten und Betrieben werden wiederverwertet. Und auch die Reste sind nicht wertlos – in den Abfallverbrennungsanlagen IKW Rüdersdorf und T. A. Lauta erzeugt die STEAG Waste to Energy GmbH daraus CO2-frei Wärme und Strom.

Warum ist Abfallverbrennung klimaneutral?
Abfallverbrennung leistet gegenüber der Energieerzeugung aus fossilen Primärenergieträgern wie Kohle oder Gas einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz. Das liegt insbesondere darin begründet, dass Abfall einen wesentlichen Anteil an regenerativem Kohlenstoff enthält – konkret annähernd 15 Prozent je Kilogramm Abfall. Bei der Strom- und Wärmeerzeugung aus Abfall ergeben sich so relative CO2-Einsparungen von durchschnittlich 36 Prozent gegenüber der Erzeugung aus fossilen Energieträgern. Zudem werden verwertbare Stoffe aus den Verbrennungsrückständen in den Produktionskreislauf zurückgeführt und schädliche oder gefährliche Inhaltsstoffe des Abfalls zerstört, umgewandelt, abgetrennt und sicher zurückgehalten.

Durchschnittlich 626 Kilogramm Abfall erzeugt jeder Deutsche pro Jahr. Bundesweit kommen so jährlich 350 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle, sonstige Siedlungsabfälle, Abbruchmaterial aus dem Bergbau, Abfälle aus industrieller Produktion und Gewerbe sowie Bau- und Abbruch zusammen. Trotz der wachsenden Bemühungen, weniger Abfall zu erzeugen, bleibt also eine beträchtliche Menge, die nicht oder nur bedingt deponiert werden kann – das ist die Rohstoffgrundlage für ein Unternehmen wie die STEAG Waste to Energy GmbH.

Das nahe Berlin gelegene Industriekraftwerk IKW Rüdersdorf verwertet pro Jahr 250.000 Tonnen Haus-, Industrie- und Gewerbemüll. Daraus erzielt das Kraftwerk eine thermische Leistung von 110 MW und eine durchschnittliche elektrische Nettoleistung von 35 MW. Davon profitiert auch der benachbarte Zementhersteller CEMEX, an den das IKW Rüdersdorf Strom liefert.

Ähnlich beeindruckend die Zahlen der in Sachsen beheimateten Thermischen Abfallbehandlung (T. A.) Lauta. Hier werden jährlich 225.000 Tonnen Haus- und Gewerbemüll sowie hausmüllähnliche Gewerbe- und Industrieabfälle verwertet und daraus eine thermische Leistung von 87 MW sowie im Schnitt 20 MW Elektroenergie erzeugt, von denen der überwiegende Teil ins öffentliche Netz eingespeist wird. Zudem werden rund 12.000 Megawattstunden Prozessdampf an den benachbarten Dämmstoff- Hersteller Rygol geliefert.

Vor einem Jahr erwarb das Energieunternehmen beide Abfallverbrennungsanlagen vom Vattenfall-Konzern. An der T. A. Lauta hatte STEAG bereits seit 2004 Anteile in Höhe von 25,1 Prozent und erhöhte diese durch die Transaktion auf 100 Prozent. Beide Unternehmen werden durch die neu gegründete Tochtergesellschaft STEAG Waste to Energy GmbH gehalten. Da beide Anlagen hochfunktional sind und zudem über eingespielte Betriebsmannschaften verfügen, lag die Konzentration zunächst auf der Anpassung der administrativen Bereiche wie Personal- und Rechnungswesen an die Abläufe innerhalb von STEAG.

Dabei profitierte das junge Tochterunternehmen auch von der Erfahrung von STEAG in der thermischen Verwertung von Abfällen und Sonderbrennstoffen – das Energieunternehmen betreibt im sachsen-anhaltinischen Leuna ein Raffineriekraftwerk, in dem aus Produktionsrückständen der nahe gelegenen Raffinerie Strom und Wärme erzeugt werden.

Mittlerweile ist der Integrationsprozess von T. A. Lauta und IKW Rüdersdorf abgeschlossen und die Vorteile der beiden Abfallverbrennungsanlagen haben sich gleich in mehrfacher Hinsicht positiv bemerkbar gemacht: Jede Tonne Abfall, die in den beiden Anlagen verbrannt wird, zahlt bei der STEAG Waste to Energy GmbH ein. Außerdem erzeugen die T. A. Lauta und das IKW Rüdersdorf Strom und Wärme, für die beispielsweise mit dem Partner Cemex auch feste Abnehmer bereitstehen. Und da die Anlagen vom Gesetzgeber zudem als CO2-frei behandelt werden, müssen anders als bei herkömmlichen Kraftwerken keine CO2-Zertifikate erworben werden. Das wiederum hält die variablen Kosten gering. Und schließlich: Um ihrem Entsorgungsauftrag nachzukommen, sind die T. A. Lauta und das IKW Rüdersdorf kontinuierlich in Betrieb. Damit tragen sie zur Sicherung der Grundlast im deutschen Netzbetrieb bei und sind deshalb in Zukunft auch ein wichtiger Faktor für die Versorgungssicherheit.