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Incredible India!

Indien wächst und die Energiebranche boomt: Rund 300 Gigawatt Kapazität stehen aktuell zur Verfügung – bis 2030 sollen es 900 Gigawatt werden. Um diese immense Herausforderung zu bewältigen, setzt die indische Energiewirtschaft auch auf die Unterstützung von STEAG Energy Services.

 

 

1,27 Milliarden Menschen leben zurzeit in Indien. Und schon bald wird der fl ächenmäßig siebtgrößte Staat der Erde über mehr Einwohner verfügen als China, bislang mit 1,34 Milliarden Menschen bevölkerungsreichstes Land. Um den immensen Energiehunger zu stillen, setzt die indische Regierung sowohl auf Erneuerbare Energien als auch auf die Modernisierung konven tioneller Kraftwerke – und auf die Unterstützung und das Know-how von STEAG Energy Services (SES) und von STEAG Energy Services (India) Pvt. Ltd. (SESI).

STEAG Energy Services India stellt die gesamte Betriebsmannschaft

Zum Beispiel im Bundesstaat Telangana – mit einer Fläche von 114.840 Quadratkilometern der zwölftgrößte Indiens und fast dreieinhalb Mal so groß wie Nordrhein- Westfalen. In einem heißen und trockenen Klima leben in Telangana über 35 Millionen Menschen. Strom beziehen sie unter anderem aus dem Kraftwerk Singareni, rund 250 Kilometer von der Provinz-Hauptstadt Hyderabad entfernt.

1.200 MW aus zwei Kraftwerksblöcken speist die Steinkohle-Anlage ins Übertragungsnetz ein. Über 800 Mitarbeiter sorgen 365 Tage im Jahr für störungsfreien Betrieb. Das Kraftwerk ist Eigentum des staatlichen Energieversorgers Singareni Collieries Company Limited (SCCLL), die Betriebsmannschaft allerdings stellt die SESI – circa 250 eigene und rund 550 Mitarbeiter von Drittfirmen.

„Von der Betriebsführung bis hin zur Modernisierung – wir haben hier bereits eine Vielzahl von Projekten realisiert.“

Anand Bansal, STEAG Energy Services (India) Pvt. Ltd.

„Die indische Regierung verfolgt einen klaren Kurs zum Ausbau der Energieversorgung, auch mit einem deutlichen Fokus auf Erneuerbare Energien“, erläutert Heiko Schierenbeck, als Director International Business Development bei SES seit 1998, also von Beginn der Aktivitäten in Indien an, eingebunden. „STEAG ist für Kompetenz und Erfahrung in der modernen Stromerzeugung inzwischen auch in Indien bekannt und wird deshalb regelmäßig bei Ausschreibungen angesprochen. Im Fall Singareni haben wir diesen Wettbewerb für uns entschieden und einen Betriebsführungsvertrag mit der SCCLL abgeschlossen.“

„Operation & Maintenance“ Dienstleistungen (O&M) ist der internationale Begriff für das, was SESI-Mitarbeiter hier täglich leisten: Das beinhaltet sowohl den Betrieb, die Instandhaltung und Reparatur des Kraftwerks sowie die Bekohlung als auch die Ascheentsorgung. „Wir sind für den kompletten Betrieb verantwortlich“, so Dr. Andreas Hospital, Leiter der Abteilung O&M bei SES, „sowohl im technischen wie auch im betriebswirtschaftlichen Sinne.“ Acht Standorte mit einer Erzeugungskapazität von rund 3,9 Gigawatt (GW) betreut die SESI aktuell in Indien. Dies macht mehr als die Hälfte der globalen Betriebsführungskapazitäten der SES von rund 6,5 GW aus.

Bereits seit 2001 ist SES mit ihrer indischen Gesellschaft mit rund 1.000 Mitarbeitern personalstärkste ausländische Tochtergesellschaft der SES sowie des Mutterkonzerns STEAG GmbH. In Vizag, einer Hafenstadt an der Ostküste Indiens, hält die SES sogar eine Minderheitsbeteiligung am Kraftwerk Vishakhapatnam und ist zudem über eine Tochtergesellschaft der SESI für die Betriebsführung der beiden 520-MW-Steinkohleblöcke verantwortlich. „Von der Planung, Modernisierung bis hin zur Betriebsführung und zum erfolgreichen Einsatz unserer Optimierungssysteme haben wir seitdem zahlreiche Projekte realisiert“, erklärt SESI-Geschäftsführer Anand Bansal, der aus Noida in der Nähe der Hauptstadt Neu Delhi neben den eigenen Mitarbeitern weitere 1.000 Kollegen von Drittfirmen koordiniert. „Inzwischen sind wir im Bereich ,Renovation & Modernisation’ Marktführer.“

Anteil Erneuerbarer Energien steigern

Auch beim Ausbau Erneuerbarer Energien kann die SESI in Indien Erfahrungen einbringen. Denn nachdem Ministerpräsident Narendra Modi das Internationale Klimaschutzabkommen unterzeichnet hat, plant die Central Electricity Authority (CEA) den Anteil Erneuerbarer Energien sowie der Kernenergie drastisch zu steigern und den Anteil von Kohlestrom entsprechend zu senken. So soll allein der Anteil der Solarenergie von zurzeit 20.000 MW bis zum Jahr 2022 auf 100.000 MW steigen. Insgesamt plant die CEA dann Erneuerbare Energien bis zu 175.000 MW ins Netz einzuspeisen. Zurzeit liegt deren Anteil bei circa 15 Prozent der Gesamtkapazität.

„Mit unseren Optimierungsprogrammen steigern wir die Effizienz in vielen konventionellen Anlagen.“

Dr. Tomasz Kaminski, Project Director System Technologies bei STEAG Energy Services>

„Dieser ambitionierte Plan bringt technische Herausforderungen mit sich, auf die wir in Deutschland schon überzeugende Antworten gefunden haben“, sagt Matthias Schneider, stellvertretender Leiter der Abteilung Umwelttechnik bei SES. „Wir können hier unsere Erfahrungen zur Einbindung von Erneuerbaren Energien ins Netz einbringen. Speicherkapazitäten müssen ausgebaut und Kohlekraftwerke, die ausschließlich für den Grundlastbetrieb konzipiert waren, in Bezug auf ihre Flexibilität ertüchtigt werden, um auch auf einen stark schwankenden Energiebedarf im Netz reagieren zu können. Nur so ist es möglich, die Kapazität von volatilen Windkraft- oder Photovoltaik-Anlagen auszubauen.“

Zusätzlich erhöhen die im Rahmen der CEA-Planungen aufgestellten Regularien für Emissionsgrenzen den Druck auf die indischen Kohlekraftwerke. „Hier setzen wir mit unserer Erfahrung in der Optimierung an“, erklärt Dr. Tomasz Kaminski, Project Director System Technologies bei SES. „Wir verfügen über reichlich Erfahrung in der Entschwefelung und Entstickung von Rauchgasen. Außerdem arbeiten viele Anlagen hier nicht an ihrer geplanten Leistungsgrenze. Mit unseren Optimierungsprogrammen steigern wir deren Effizienz.“

STEAG Energy Services schulte 100 indische Ingenieure

Dafür setzen SESI-Geschäftsführer Anand Bansal und seine Ingenieure von STEAG entwickelte Systeme PADO und EBSILON ein. „Wir haben PADO (Plant Analysis, Diagnosis and Optimization) in 100 Blöcken bereits erfolgreich installiert. Mit EBSILON lassen sich Prozessabläufe von Kraftwerken simulieren und optimieren. Das ist wie ein kleines Kraft- werk auf dem Schreibtisch“, so Anand Bansal. „ Wir spielen Prozesse durch und prüfen so, wie Effizienz und Teillastverhalten ausfallen.“

Das EBSILON-System zur Simulation von thermodynamischen Kreisprozessen ist seit 2009 wesentlicher Bestandteil eines Programms zur Optimierung von Kohlekraftwerken, das vom indischen Energieministerium gemeinsam mit dem deutschen Bundeswirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium aufgelegt wurde. Von Beginn an haben SES-Mitarbeiter als Berater und Effizienzdienstleister dieses Indo-German Energy Program (IGEN) begleitet. Rund 70 EBSILON-Anwendungen wurden seitdem bei indischen Energieversorgern ,ausgerollt’, über 100 indische Ingenieure ließen sich seither von ihren SES-Kollegen schulen.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Bislang wurden jährlich rund 1,6 Millionen Tonnen CO2 eingespart, das entspricht circa 1,2 Millionen Tonnen indischer Kohle. „Das ist so viel wie ein kompletter indischer Kohlezug mit mehr als 50 Waggons pro Tag“, rechnet Anand Bansal vor. „Das verdeutlicht wohl am besten, wie wichtig unser Beitrag ist.“