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Hauptsache Nebenprodukte

Die Golfregion bietet dank des Baubooms enormes Potenzial für das Geschäft mit Betonzusatzstoffen wie Flugasche. Auch die südostasiatische Region dürfte sich in naher Zukunft als lukrativer Markt für diese Nebenprodukte, die bei der Verbrennung von Steinkohle in Kraftwerken entstehen, erweisen. Mit dem Einstieg der Hawar Group aus Katar stärkt STEAG Power Minerals ihre Position in diesen Wachstumsmärkten. Welche Chancen werden hier genutzt?

Was früher in Kraftwerken aufwendig entsorgt werden musste, ist heute ein wertvoller Rohstoff, den STEAG Power Minerals in Deutschland und Europa seit vielen Jahrzehnten erfolgreich vermarktet. Ein Beispiel: Die Flugasche, die beim Verbrennen von Steinkohle zurückbleibt, wird von der Bauwirtschaft als wertvoller Zusatzstoff für Beton und Zement verwendet, um bestimmte Eigenschaften zu verbessern. Sie erleichtert beispielsweise die Verarbeitbarkeit des Frischbetons und erhöht die Endfestigkeit des Festbetons.

Europäischer Kompetenzführer
Als spezialisierte Tochter von STEAG hat sich STEAG Power Minerals zum europäischen Kompetenzführer im Management von Nebenprodukten aus Steinkohlekraftwerken wie Flugasche, REA-Gips und Kesselsand entwickelt. Für Kunden aus der Kraftwirtschaft entwickelt STEAG Power Minerals individuelle Konzepte für die Übernahme und möglichst ganzheitliche Verwertung ihrer Nebenprodukte. Gemeinsam mit den Kunden aus der Bauwirtschaft sucht STEAG Power Minerals ständig nach weiteren Anwendungsgebieten, entwickelt neue Baustoffe und versucht, die Verwendung von Flugasche in Betonanwendungen weiter zu steigern, damit wertvolle andere Rohstoffe gespart werden können. Doch in Europa gibt es in einigen Bereichen kaum noch Wachstumspotenzial – in Deutschland etwa wird die anfallende Steinkohlenfl ugasche bereits nahezu zu 100 Prozent verwertet.

„Wir kennen Emad Al-Darwish, den Eigentümer der Hawar Group, unter anderem durch das gemeinsame Joint Venture Hawar Power Minerals bereits seit vielen Jahren und schätzen ihn als verlässlichen und fairen Geschäftspartner.“

Joachim Rumstadt, Vorsitzender der Geschäftsführung STEAG

Ressourcenschonender Rohstoff: Flugasche
Flugasche entsteht bei der Verbrennung von Steinkohle, wenn die nicht brennbaren, mineralischen Bestandteile der Kohle im Elektrofi lter aus dem Rauchgas gefiltert werden (siehe auch STEAG Aktuell Plus, Ausgabe 1/2016, S. 10ff).

Die CO2-Bilanz von Flugasche ist exzellent, denn als Zusatzstoff in Beton und Zement ersetzt sie andere, sehr CO2-intensive Komponenten. Pro Tonne Flugasche lässt sich so fast eine Tonne CO2 einsparen. Im klassischen Zement kann sie bis zu 35 Prozent des teuren und CO2-intensiven Portlandzementklinkers ersetzen. Damit trägt Flugasche auch dazu bei, wertvolle Primärrohstoffe zu schonen.

Über die Hawar Group
Die Familie Al-Darwish ist seit dem 17. Jahrhundert im unternehmerischen Handel tätig und damit eine der ältesten Handelsfamilien in Katar. Mit der Gründung der Hawar Group im Jahr 1982 hat Emad Al-Darwish sich in neue Geschäftsfelder und Märkte orientiert: Die Beteiligungsgesellschaft besitzt heute Anteile an rund 20 Joint Ventures mit namhaften europäischen und asiatischen Firmen, die insbesondere in der Energieund Baubranche tätig sind.

Über STEAG Power Minerals
Als Dienstleister der Industrie und Bauwirtschaft fokussiert sich STEAG Power Minerals auf zwei Geschäftsfelder: die Übernahme von Kraftwerksnebenprodukten sowie die Produktion und Lieferung von Baustoffen, Strahlmitteln und Industriemineralien. Zu ihren Aufgaben zählt auch die Versorgung von Kraftwerken mit sekundären Brennstoffen sowie Absorbenzien für die Rauchgasreinigung.

Um den Wachstumskurs fortzusetzen, werden verstärkt internationale Märkte in den Blick genommen. Für den strategischen Ausbau der Aktivitäten in der Golfregion hat sich STEAG einen dort bestens vernetzten Investor ins Boot geholt: Die Hawar Group, mit der STEAG Power Minerals bereits seit 2013 im Joint Venture Hawar Power Minerals zusammenarbeitet, hat 30 Prozent der Firmenanteile von STEAG Power Minerals übernommen. Innerhalb der nächsten drei Jahre kann die Hawar Group ihre Anteile auf 49 % weiter aufstocken.

Wachstumsmarkt Golfregion
Katar wurde aus gutem Grund als ein Ausgangspunkt der internationalen Expansion gewählt: In Katar und in der gesamten Golfregion herrscht ein veritabler Bauboom. Obwohl sich die Bautätigkeit bereits auf sehr hohem Niveau befi ndet, werden bis zum Ende des Jahrzehnts weiterhin Wachstumsraten von 3 bis 4 Prozent prognostiziert – und das trotz geringerer Staatseinnahmen durch sinkende Ölpreise. Der Gesamtverbrauch von Zement und Flugasche pro Kopf liegt hier etwa zehnmal so hoch wie in Deutschland. Die Fußball- Weltmeisterschaft 2022 bestimmt dabei eher das Tempo des Wandels und weniger dessen Umfang. Das Gesamtbudget für Infrastrukturprojekte im Rahmen des ehrgeizigen Entwicklungsprogramms „Vision 2030“ beträgt rund 200 Milliarden US-Dollar. Nicht nur die Stadien für die WM werden in diesem Zuge errichtet. Auch Wohn- und Geschäftsgebäude sowie Hotels für den sich entwickelnden Tourismus entstehen, und das in teilweise atemberaubenden Dimensionen. Für STEAG Power Minerals tut sich hier ein attraktiver Markt auf – der aber auch auf andere Wettbewerber aus der Branche wie ein Magnet wirkt. Die vertiefte Kooperation mit der von Emad Al-Darwish Anfang der 1980er- Jahre gegründeten Hawar Group ist der Schlüssel für den Erfolg in diesem Markt. „Die Erfahrung zeigt, dass ein regional und kulturell verwurzelter Partner enorm wichtig ist, um in einem Markt wie der Golfregion nachhaltig wachsen zu können – denn viele Geschäfte werden auf Vertrauensbasis geschlossen“, erläutert Andreas Hugot, Geschäftsführer von STEAG Power Minerals.

Das Familienunternehmen, dessen Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, ist in Katar und darüber hinaus in Südostasien bestens vernetzt und kann für STEAG Power Minerals viele Türen öffnen. Das gemeinsame Joint Venture Hawar Power Minerals profitiert schon seit der Gründung von der Gesellschafterkombination mit exzellentem Knowhow und hervorragenden Netzwerken. Mittel- bis langfristig soll Hawar Power Minerals nun zu einer starken Handelsplattform für Zementrohstoffe heranwachsen.

Gut aufgestellt für neue und alte Märkte
Hawar Power Minerals versteht sich nicht nur als zuverlässiger Lieferant von Flugasche, die aus Indien und China importiert wird, sondern bietet seinen Kunden ganzheitliche Unterstützung – von der Beratung zu den Eigenschaften von Flugasche bis zur fachlichen Unterstützung bei der korrekten Verarbeitung. So hat man gerade eine größere Ausschreibung für Flugasche eines führenden Transportbetonanbieters gewonnen.

Für den kommenden Ausbau der Aktivitäten ist Hawar Power Minerals gut gerüstet. Ende 2015 hat man neue Büroräume samt Lager mit einer Fläche von 9.000 m2 in einem Industriegebiet am Rande von Doha, der Hauptstadt von Katar, bezogen. Die Umschlagskapazität von Flugasche und anderen Betonzusatzstoffen konnte von zuvor 400 bis 500 Tonnen auf 3.000 bis 4.000 Tonnen verzehnfacht werden. „Mit unserem neuen Standort ist das Basisgeschäft in Katar abgesichert, und wir können unser Augenmerk auch auf andere Märkte der Region richten“, freut sich Jochen Pfitzner, General Manager von Hawar Power Minerals.

Auch die Kunden in Europa, das ein wichtiger Kernmarkt für STEAG Power Minerals bleibt, profitieren von der neuen Partnerschaft: Dank der nun noch besseren internationalen Vernetzung kann STEAG Power Minerals zukünftig noch flexiblere Logistiklösungen anbieten – in Deutschland, in Europa und weltweit.