Flexible Batteriespeicher für die Energiewende

1 Hintergrund

In den 70er-Jahren wurde vom Clube of Rome die Studie „Grenzen des Wachstums“ erstellt. Es wurde nachdrücklich vor der Endlichkeit natürlicher Ressourcen gewarnt [1]. Diese Analyse wurde seitdem weiter fortgeschrieben und verfeinert. Weitere Einflussgrößen wurden aufgezeigt. Wurde damals als Grenze für die Weltbevölkerung ca. 7 Milliarden Menschen diskutiert, sind es heute um die 10 Milliarden. Sicher werden aber auf unserem Planeten nicht unbegrenzt Menschen leben können. Voraussetzung für ein weiteres Wachstum der Menschheit auf vielleicht 10 Milliarden und mehr Menschen sind zwei wichtige Punkte: Eine belastbare, preiswerte Energieversorgung in Form von Strom und eine ausreichende Wasserversorgung. Mit der Energiewende sind wir auf diesem Weg. Die Klimafrage ist im Rahmen der Energiewende ein großer Treiber in Deutschland. Sieht man sich längerfristige Zeiträume an, dann wird jedoch nicht nur das Klimathema dominieren, sondern die Begrenztheit fossiler Energievorräte und sonstiger Bodenschätze. Vor diesem Hintergrund sind wir aufgefordert, alle Möglichkeiten regenerativer Energieerzeugung zu nutzen, doch insbesondere preiswerte Methoden anzuwenden. Nur wenn bezahlbarer Strom aus erneuerbaren Quellen in genügender Menge und Form zur Verfügung steht, wird es uns vielleicht gelingen, die 10-Milliarden-Bevölkerungsgrenze zu reißen. Glaubensbekenntnisse, die einzelne Energieformen favorisieren sind wenig hilfreich. In der Öffentlichkeit driften gefühlt Zahlen und Realität seit Jahren auseinander [2]. Neben anderen Ressourcen muss die ebenfalls begrenzte Ressource Geld so eingesetzt werden, dass bezogen auf die Energieversorgung eine möglichst große Strommenge umweltfreundlich produziert wird. Technikoffenheit ist hier eine notwendige Voraussetzung. Denn nur dann wird es uns gelingen, in eine wirklich neue Zeit zu gelangen und dies mit einer größtmöglichen Bevölkerungszahl auf diesem Planeten. Vor dem Hintergrund ist es wichtig, Strom und Energie zur Verfügung zu stellen, auch wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht bläst, was sich, abgesehen von den Nachtzeiten, gegenseitig bedingt. Bei Windmangel werden Wolken nicht vertrieben und somit kann auch die Sonnenenergie keinen Beitrag zur Stromversorgung leisten. Im Januar 2017 hat sich über 14 Tage eine derartige Konstellation ergeben. Obwohl wir in Deutschland mittlerweile 100 GW an Erneuerbaren Energien installiert haben, war es zu der Zeit nur möglich, ca. 10 GW von den benötigten ca. 70 GW bereitzustellen. Eine Industrienation wie Deutschland ist auf eine sichere Stromversorgung angewiesen. D.h., auch zu Zeiten, in denen Erneuerbare nicht zur Verfügung stehen, müssen andere Energien einen Beitrag leisten. Mittelfristig werden hierzu nach wie vor nur konventionelle Kraftwerke in der Lage sein, allerdings bei extrem niedriger Beschäftigung. Vorzug der Kohlekraftwerke ist hier eindeutig, dass der notwendige Brennstoffvorrat dafür unabhängig von anderen Versorgungsengpässen direkt am Kraftwerkstandort gelagert werden kann. Gaskraftwerke werden aufgrund der noch geringeren Klimaauswirkungen häufig zur Wahrnehmung dieser Aufgabe diskutiert. Der geringere CO2-Ausstoß ist hier sicher von Vorteil, in Engpasssituationen ergibt sich jedoch häufig die Situation, dass auch das Gasnetz ausgelastet ist und die Gasspeicher u.U. nicht in der notwendigen Menge gefüllt sind. Außerdem ergibt sich eine gewisse politische Abhängigkeit, die in den nächsten Jahren noch anwachsen wird, wenn Erdgas hauptsächlich aus einer Region nach Deutschland geliefert werden kann. Somit werden neben konventionellen Kraftwerken Speichertechniken in Zukunft eine große Rolle spielen. In dem Maße, in dem konventionelle Kraftwerke stillgelegt werden, müssen Speicherkapazitäten geschaffen werden. Hier besteht noch ein erheblicher Entwicklungsbedarf. STEAG ging mit der Investition in Großbatteriespeicher im Umfang von 100 Mio. € im Jahr 2016 einen großen Schritt in diese Richtung. Im Rahmen dieser Veröffentlichung soll der Stellenwert von Speichertechniken, insbesondere Batteriespeichern, beleuchtet und die zukünftige Entwicklung von Speichertechniken skizziert werden.

Informationen

2 STEAG

Das Unternehmen STEAG, das 2017 sein 80-jähriges Bestehen feierte, hat seine Wurzeln im Bereich der konventionellen Kraftwerkstechnik. Inzwischen hat sich STEAG auch mit anderen Alternativen der Stromerzeugung etabliert. Heute steht das Unternehmen sicher auf drei Standbeinen: Konventionelle Energieerzeugung, Erzeugung aus Erneuerbaren Energien (insbesondere Wind), Biomasse und Solare Anwendungen, sowie auf dem dritten Bein: Speicher. Anders als Marktbegleiter hat STEAG entschieden, diese Techniken parallel voranzutreiben und in eine sichere Zukunft zu führen. Hiermit leistet STEAG einen Beitrag zur nachhaltigen (Stichwort: enkelverträglichen) Gestaltung der Zukunft im Hinblick auf das zu Anfang skizzierte Ziel, möglichst viele Menschen in einer lebenswerten Umgebung mit ausreichend Strom und Wasser auf diesem Planeten unterzubringen. 

STEAG Energy Services ist als 100%ige Tochter der STEAG im Bereich von Consultingleistungen tätig. Ein Drittel der 6000 Mitarbeiter der STEAG sind alleine in diesem Unternehmen weltweit tätig. Zielsetzung ist es hier, im Dreiklang von konventionellen Kraftwerken, Kraftwerken die Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugen und Speichern die Themen Engineering, Betriebsführung und Prozessoptimierung voranzutreiben.

3 Rahmenbedingungen

Vom BMWi wurden für den Strommarkt 2030 langfristige Trends und Aufgaben für die kommenden Jahre formuliert. Im Einzelnen sind dies die folgenden zehn Punkte:

  • Die fluktuierende Stromerzeugung aus Wind und Sonne prägt das System.
  • Sektorkopplung: Heizung, Autos und Industrie nutzen immer mehr Erneuerbaren Strom statt fossiler Brennstoffe.
  • Der Einsatz fossiler Brennstoffe im Kraftwerkspark geht deutlich zurück.
  • Die Strommärkte werden europäischer.
  • Die Nationale Versorgungssicherheit wird im Rahmen des Europäischen Strombinnenmarktes gewährleistet.
  • Strom wird deutlich effizienter genutzt.
  • Moderne KWK-Anlagen produzieren den residualen Strom und tragen zur Wärmewende bei.
  • Biomasse wird zunehmender für Verkehr und Industrie genutzt.
  • Gut ausgebaute Stromnetze schaffen kostengünstig Flexibilität.
  • Die Systemstabilität bleibt bei hohen Anteilen an Erneuerbaren Energien gewährleistet

Das Erreichen dieser zehn Zielgrößen ist unterschiedlich anspruchsvoll. Das Ergebnis der letzten Zielgröße, die Systemstabilität selbst bei hohen Anteilen Erneuerbaren Energien zu gewährleisten, ist sicherlich nicht einfach. Insbesondere der in Deutschland kontrovers diskutierte und deswegen viel zu schleppende Stromnetzausbau steht dem entgegen. Der ist allerdings dringend notwendig, wenn postuliert wird, dass im Rahmen von europäischen Lösungen Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann. In Konsequenz heißt das, dass bis dieses Ziel erreicht wird, wenn es überhaupt erreichbar ist, fossile Energien und Speicher eine Rolle spielen müssen. In diesem Zusammenhang dürfen die Möglichkeiten der Biomassenutzung in unserem Land nicht überschätzt werden. Die Grenzen sind ohne Import erreicht, wenn wir die Nahrungsmittelkette nicht beeinflussen wollen. Die Sektorkopplung und die Kraft-Wärme-Kopplung werden in Zukunft sicher große Rollen spielen und auch hier ist es gefragt, dass umweltfreundliche Kraftwerke entsprechende Versorgungslösungen anbieten können.

 

 

4 Ein paar grundsätzliche Statements

Speicher werden ein Teil des komplexen Stromversorgungssystems der Zukunft sein. Dabei ist zwischen Massenspeichern und kurzzeitigen dynamischen Speichern zu unterscheiden. Zudem ist zu berücksichtigen, dass bei komplexen Systemen weniger die einzelnen Komponenten als die Kommunikation und Interaktion der einzelnen Elemente untereinander von Bedeutung ist.

Aus diesen Betrachtungen wird deutlich, dass Erneuerbare Energien und die Nutzung von Kohle und Gas zur Stromerzeugung keine Gegensätze sind, sondern dass Kohle- und Gaskraftwerke mit ihrer Flexibilität über einen entsprechenden Zeitraum Partner der schwankenden Stromerzeugung aus Wind und Sonne sind. Dies gilt, solange Speicher nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. STEAG hat diese Herausforderung angenommen und begleitet die Energiewende konstruktiv dadurch, dass zum einen Erneuerbare Energien auch durch STEAG signifikant ausgebaut werden, dass konventionelle Energieerzeugungsanlagen extrem flexibel gemacht werden und dass zum anderen Regelenergien sowohl durch Großkraftwerke als auch dezentrale Anlagen und Speicher geliefert werden. Dazu gehört dann die Vermarktung von Primärregelenergie, Sekundärregelenergie sowie auch Minutenreserve.

Speicher werden ein Teil des komplexen Stromversorgungssystems der Zukunft sein. Dabei ist zwischen Massenspeichern und kurzzeitigen dynamischen Speichern zu unterscheiden. Zudem ist zu berücksichtigen, dass bei komplexen Systemen weniger die einzelnen Komponenten als die Kommunikation und Interaktion der einzelnen Elemente untereinander von Bedeutung ist.

Aus diesen Betrachtungen wird deutlich, dass Erneuerbare Energien und die Nutzung von Kohle und Gas zur Stromerzeugung keine Gegensätze sind, sondern dass Kohle- und Gaskraftwerke mit ihrer Flexibilität über einen entsprechenden Zeitraum Partner der schwankenden Stromerzeugung aus Wind und Sonne sind. Dies gilt, solange Speicher nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. STEAG hat diese Herausforderung angenommen und begleitet die Energiewende konstruktiv dadurch, dass zum einen Erneuerbare Energien auch durch STEAG signifikant ausgebaut werden, dass konventionelle Energieerzeugungsanlagen extrem flexibel gemacht werden und dass zum anderen Regelenergien sowohl durch Großkraftwerke als auch dezentrale Anlagen und Speicher geliefert werden. Dazu gehört dann die Vermarktung von Primärregelenergie, Sekundärregelenergie sowie auch Minutenreserve.

5 Charakteristik des derzeitigen deutschen Strommarktes

In der Öffentlichkeit fällt es schwer, zwischen Leistung und Arbeit im Bereich der Stromerzeugung zu unterscheiden. Wie oben bereits erwähnt, steht in Deutschland einer benötigten Leistung von 60 bis 80 GW eine installierte Leistung von fast 200 GW gegenüber (Abbildung 1). Die Erneuerbaren haben mit über 100 GW installierter Leistung also 150 % der benötigten Kapazität. Die erbrachte Arbeit liegt heute in einer Größenordnung von 600 TWh, wovon allerdings nur ein Drittel aus Erneuerbaren Energien erbracht wird.

Das Problem dieser Erzeugung ist, dass es regional nicht mehr zu der Verbrauchsstruktur passt, d.h. ein erheblicher Teil der Erneuerbaren Energien wird in Form von Windenergie erbracht, die hauptsächlich im Norden erzeugt, jedoch im Süden benötigt wird. Somit haben wir ein regionales Problem. Des Weiteren wird der andere Teil durch Photovoltaik erbracht. Hier haben wir ein zeitliches Problem, da dies nur tagsüber erbracht wird, mit der Spitze um die Mittagszeit, Verbrauchsspitzen jedoch morgens und abends auftreten, die insbesondere im Winter dann durch andere Energieformen oder Speicher gedeckt werden müssen.

Der worst-case der Stromversorgung, der in der Öffentlichkeit häufig zitiert wird, ist der sog. „black-out“. Diese Extremsituation eines Ausfalls der gesamten Stromversorgung in Deutschland hätte ganz erhebliche Folgen, da wir heute alle extrem auf elektrische Energie angewiesen sind. Die entsprechenden „Horrorszenarien“ werden im Roman „Black Out“ von Marc Elsberg beschrieben. Wir sollten dafür sorgen, dass es nie dazu kommt. Häufig wird in dem Zusammenhang behauptet, es funktioniert doch alles, alles sei nur Schwarzmalerei.

Ein Indikator für die Krankheit unseres Energieversorgungssystems ist das sog. Re-Dispatchvolumen und die Re-Dispatchkosten (Abbildung 2). Der Begriff „Dispatch“ bezeichnet die Einsatzplanung von Kraftwerken durch den Kraftwerksbetreiber. Der Begriff „re-dispatch“ bezeichnet die kurzfristige Änderung des Kraftwerkseinsatzes auf Geheiß des Übertragungsnetzbetreibers zur Vermeidung von Engpässen.

Abbildung 2 zeigt, wie dramatisch in den letzten Jahren die Kosten und das Volumen dieser Re-Dispatch-Maßnahmen angestiegen sind. Hier kann man von der Fieberkurve der Energiewende sprechen, die zeigt, dass unser Energieversorgungssystem ganz bestimmt nicht mehr gesund ist. Das gilt, obwohl wir zeitweise zum Stromexportland geworden sind. Aufgabe der Stromversorgung ist es nicht, „integrale“ Überschüsse über das Jahr zu erzeugen, sondern zu jedem Zeitpunkt Angebot und Nachfrage von Strom im Gleichgewicht zu halten. Dabei können in Zukunft Speicher helfen.

6 Übersicht Speichertechniken

Abbildung 3 gibt einen generellen Überblick über Speichertechniken. Zu unterscheiden sind in dieser Abbildung elektrische, chemische und thermische Speicher. Während bei elektrischen Speichern In- und Output Strom sind, ist dies bei den chemischen und thermischen Speichern nicht automatisch der Fall. Vielmehr sind ggf. zusätzliche Umwandlungsschritte notwendig, um aus der chemischen bzw. thermischen Energie wieder Strom zu machen. Erfahrungsgemäß ist dies mit zum Teil erheblichen Wirkungsgradverlusten verbunden. Dies ist bei der Kostenbetrachtung zu berücksichtigen, auch wenn Überschussstrom teilweise kostenlos zur Verfügung steht.

Abbildung 4 beleuchtet die Aspekte Entladezeit und Kapazität von Speichern. Wie bereits erwähnt, ist zwischen Massenspeichern, die langfristig elektrische Energie speichern, und Kurzfristspeichern, wie z.B. Schwungrad oder Batterietechniken, zu unterscheiden. Einsatznotwendigkeiten ergeben sich für beide Techniken. Die kurzfristigen Speicher sind notwendig, um das Netz zu stabilisieren: sprich, die Frequenz konstant zu halten. Die zum Teil extrem schwankenden Einspeisungen der Erneuerbaren Energien auf der einen Seite und Schwankungen, die sich durch die Verbrauchsstruktur auf der anderen Seite ergeben.

Die Speicherdauer von Langfristspeichern ergibt sich zum Beispiel aus dem Zeitraum, der zur Überbrückung einer Dunkelflaute notwendig ist. Dadurch ergibt sich die Notwendigkeit, z.T. erhebliche Speichergrößen zu erreichen. Tabelle 1 vergleicht Kapazitäten, von denen wir zum Teil täglich Gebrauch machen.

Betrachtet man Langfristspeicher, so werden aufgrund ihrer Kapazität Power-to-Gas-Techniken vielfach diskutiert. Hierbei werden häufig die erheblichen Gasspeichermengen in Höhe von 25 Mrd. m3 in Deutschland betrachtet. Vergessen wird dabei, dass diese Gasspeicher nicht ohne Kosten entstanden sind, sondern dass sie gezielt unter Einsatz von Kapital zur Speicherung von Gas errichtet wurden. Es ist fahrlässig, diese Speichermengen jetzt von Gasspeicherung einfach auf Stromspeicherung umzuwidmen. Vor dem Hintergrund dieser Betrachtung sind Power-to-Liquid- Techniken sicherlich nicht weniger aufwendig oder durch höhere Effizienz gekennzeichnet, allerdings bieten sie den riesigen Vorteil, dass Speicher in Form von Tanks unabhängig relativ problemlos errichtet werden können.

Betrachtet man die bekannten konventionellen Massenspeicher (hier sind insbesondere die Pumpspeicher zu nennen), so handelt es sich um eine bewährte Technik, deren Ausbau allerdings genauso wenig Akzeptanz findet wie der Bau von Hochspannungstrassen oder die Errichtung von Windparks oder konventioneller Kraftwerke.

7 Dynamische Stromspeicher – Batterietechniken

Unter den dynamischen Speichern stellen sich Batteriesysteme als sehr flexible Techniken dar. Dies, gepaart mit der Erfahrung, die mit Partnern gemeinsam im Rahmen des Forschungsvorhabens LESSY gesammelt wurden, waren Beweggründe, dass STEAG bei der dynamischen Stromspeicherung auf die Batterietechnik gesetzt hat. STEAG war damals Bestandteil des EVONIK-Konzerns. Im Rahmen der gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten wurden dort Batterietechniken entwickelt. Hintergrund war der im Degussa-Bereich entwickelte keramische Separator für die Lithium-Ionen-Batterie-Technik und die darauf basierende Produktion von Lithium-Ionen-Batterien. Diese sollten primär im Automobilbereich Anwendung finden. Im Zuge der Forschungsarbeiten wurde zu klären versucht, inwieweit dieser Batterietyp in der Kraftwirtschaft eingesetzt werden kann. Hierzu wurde 2009 gemeinsam mit verschiedenen Partnern ein Forschungsvorhaben begonnen, das zum Inhalt hatte, Primärregelenergie am Standort Fenne zu erbringen (Abbildung 5).

Die wesentlichen charakteristischen Daten und Partner können dieser Abbildung entnommen werden. Nach Abschluss des Vorha-bens entwickelte STEAG die Idee, die gewonnenen Erkenntnisse im größeren Maßstab zu nutzen. Im Primärregelmarkt hat STEAG Erfahrung im Zusammenhang mit virtuellen Kraftwerken und mit der Dynamisierung von konventionellen Kraftwerken gesammelt. 

Unter Berücksichtigung der Marktmöglichkeiten führte dies zu der Investition in sechs Großbatteriesysteme mit je 15 MW zur Bereitstellung von Primärregelenergie zur Sicherung der Netzstabilität und der Systemsicherheit. Um Synergievorteile zu nutzen wurden sechs Kraftwerkstandorte der STEAG als Standorte für diese Großbatteriesysteme festgelegt. Es wurde die Verwendung der etablierten Lithium-Ionen-Technologie für die Zellen ausgewählt. Die Zellen und das Packaging wurden unter Marktbedingungen ohne Fördermittel beschafft. Die Planung der elektro- und bautechnischen Integration wurde durch die STEAG-Tochter STEAG Energy Services GmbH geplant (Abbildung 6). Die elektrotechnische Anbindung erfolgte durch STEAG Technischer Service.

Abbildung 7 gibt Auskunft über die technischen Daten der Großbatteriesysteme und ermöglicht einen Einblick in die Dimension der Speichercontainer.

Abbildung 8 zeigt die sechs Großbatteriesystemspeicher in der Bauphase [3].

Abbildung 7 gibt Auskunft über die technischen Daten der Großbatteriesysteme und ermöglicht einen Einblick in die Dimension der Speichercontainer.

Abbildung 8 zeigt die sechs Großbatteriesystemspeicher in der Bauphase [3].

8 Anforderungen und Aufgaben der Großbatteriesysteme

Abbildung 9 zeigt die Einordnung von Primärregeleistung, Sekundärregelleistung, Minuten und Stundenreserve in schematischer Form. Für die Nutzung als Primärregelleistung ist die Präqualifikation der Anlagen vom Übertragungsnetzbetreiber zwingend erforderlich. Wöchentlich erfolgt eine Ausschreibung für den Regelverbund D-A-NL-CH über ein Volumen von ±780 MW. Der Ausschreibungszeitraum beträgt eine Woche und die Mindestlosgröße für die Vermarktung ±1 MW und danach in 1 MW-Schritten. Da eine 100%ige technische Verfügbarkeit für Batterie und Netzanschluss gewährleistet sein muss, ist eine entsprechende Besicherung notwendig. Die Vergütung erfolgt auf Leistungspreisbasis.

Batteriesysteme können jedoch neben dieser Erbringung von Primärregelleistung auch weitere Aufgaben im Rahmen der Energiewende im Stromnetz erbringen. Dazu gehören:

  • Unterbrechungsfreie Stromversorgung,
  • Schwarzstartfähigkeit von Kraftwerken,
  • Bereitstellung von Primärregelleistung,
  • Verteilung von Lastspitzen,
  • Bereitstellung von Blindleistung,
  • Vergleichmäßigung fluktuierender Erzeuger,
  • Erhöhung von Kurzschlussströmen.

9 Sonstige Aktivitäten der STEAG im Bereich der Speichertechnik und Regelenergie

STEAG hat in der Vergangenheit für ein EU-gefördertes Forschungsvorhaben seinen Standort Lünen zur Verfügung gestellt, um die Methanolerzeugung, d.h. das Thema Power-to-Liquid näher zu untersuchen [4]. Als Folge der Energiewende konnte dieses Vorhaben nicht in der geplanten Form zu Ende geführt werden, da die für die Synthetisierung des Kraftstoffs, also des Methanols, notwendige CO2-Menge bedingt durch die Energiewende und die als Folge geplante Stilllegung von Kraftwerksstandorten nicht mehr zur Verfügung gestellt werden konnte. Es ist aber für die Zukunft geplant, an anderen Standorten des Unternehmens das Thema Power-to-Liquid bzw. Power-to-Fuel in Verbindung mit dem Thema CO2-arme Fernwärme aus Steinkohle- oder Gaskraftwerken näher zu untersuchen.

Ziel ist es, aus CO2 des Kraftwerks und H2 aus Elektrolyse synthetische Kraftstoffe zu erzeugen, die sich, wie oben beschrieben, leicht zwischenlagern lassen. Damit wird im Kraftwerksprozess mittels Kraft-Wärme-Kopplung zum einen Wärme, zum anderen aber auch ein chemisches Produkt oder Treibstoff in Verbindung mit der Stromerzeugung umweltfreundlich erzeugt.

In einem anderen Gemeinschaftsvorhaben wird im Rahmen der SINTEG-Initiative des BMWi gemeinsam mit 47 Partnern das Schaufensterprojekt Designetz (Abbildung 10) vorangetrieben. Zielstellung des STEAG-Teilvorhabens „Sektorkopplung Flex20+“ ist es, Maßnahmen, Bauteile und Strategien zu ermitteln, die in Zukunft dazu führen, dass große verbundene Netze mit zahlreichen Akteuren stabil, zuverlässig und wirtschaftlich zugleich betrieben werden können.

Des Weiteren ist die Frage zu beantworten, wie Flexibilitäten unabhängig von lokalen Erzeugungsstandorten eingesetzt werden können. Ziel ist es dabei, großflächig und im Austausch mit einer großen Anzahl von Verbrauchern und Erzeugern zu einem Optimum im Gesamtnetz zu kommen. STEAG wird anhand zweier Großdemonstratoren, Fernwärmespeicher und Elektrodenkessel erarbeiten, wie dezentrale Flexibilitätspotenziale in komplexen und verbundenen Netzen sinnvoll eingebunden werden können. Dazu sind intensive 24/7-Tests geplant. Im Rahmen dieses Vorhabens wird die Sektorkopplung nicht nur zwischen Strom- und Wärmenetz, sondern auch mit dem lokalen Grubengasnetz, das STEAG im Bereich der Saar-Kraftwerke betreibt, erprobt. Derartige Dynamiken können elektrische Speicher zum Teil ersetzen bzw. ergänzen.

In einem weiteren Schritt wird STEAG untersuchen, Mittelfristspeicher mit einer Kapazität von ca. 240 MWh zu untersuchen. Insbesondere sollen hier weitere Techniken neben der Lithium- Ionen-Technik z.B. Natrium-Schwefel oder sog. Flow-Batterien einzusetzen. Auch die Möglichkeiten thermischer Speicher im Zusammenhang mit vorhandenen Kraftwerken werden untersucht.

10 Fazit

Die Energiewende nimmt an Fahrt auf. Trotzdem, oder grade deswegen wird, wie aufgezeigt, Strom immer begehrter. Auf der anderen Seite wächst der Widerstand gegen alle Stromerzeugungs- und Übertragungstechniken. Herausforderung ist es, die nachhaltige, preiswerte, akzeptierte und flexible Erzeugung und Verteilung von Strom zukunftssicher zu gestalten. Das Wissen um Einzeltechniken muss gepaart werden mit Systemüberblick und System-Know-how. Toleranz für den Einsatz unterschiedlicher Techniken muss dazu natürlich vorhanden sein. Batteriesysteme und andere Speichertechniken sind ein elementarer Bestandteil der Energiewende. Vor diesem Hintergrund ist noch einmal zu betonen, dass STEAG für den gesamten Energiemix, bestehend aus konventionellen, Erneuerbaren und Speichern steht.