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Polen:
Erfolgsfaktor Fernwärme

Erzeugung und Transport von Fernwärme sind in Polen ein boomendes Geschäft. Auf einem hart umkämpften Markt mit einem hohen Ausbau- und Modernisierungsbedarf setzt das zum STEAG- Konzern gehörende Unternehmen SFW Energia auch auf partnerschaftliches Miteinander mit Kommunen und erzielt damit beachtliche Erfolge.

 

 

Als unsere östlichen Nachbarn im vergangenen Winter unter einer Kältewelle litten, ließ sich das in der Luft förmlich sehen: Um die Millionen Wohnungen zu erwärmen, bullerten auch Tausende der schon recht betagten Öfen auf Hochtouren und sorgten so vor allem in den schlesischen Landesteilen wochenlang für Smog. Mehr als 60 Prozent der Haushalte in Polen heizen noch mit Kohle und – unerlaubt – auch mit anderen Materialien, die brennen und Wärme erzeugen, aber eben auch schädliche Abgase. „Dieser Effekt ist in Schlesien nicht neu, das gibt es leider schon seit Jahrzehnten“, sagt Ewa Waßmuth, die gemeinsam mit Antoni Słomiany und Bernard Barteczko die Geschäfte der SFW Energia führt. „Aber auch in Polen sind die Menschen umweltbewusster geworden. Jeder möchte heute in einer sauberen Umgebung wohnen“, sagt Ewa Waßmuth.

„Wir gehen auf die Gemeinden zu und fragen sehr genau nach, wie sie sich eine Lösung ihres Problems vor Ort vorstellen.“

Antoni Słomiany, Vorsitzender der SFW-Geschäftsführung

Das Signal ist angekommen – die polnische Regierung hat angekündigt, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent zu reduzieren. Sie fördert daher die effiziente Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und den Einsatz Erneuerbarer Energien. Die praktische Umsetzung liegt größtenteils bei den Kommunen, sie sind die Eigentümer der Energieerzeugungsanlagen und Verteilernetze – hier setzt die SFW Energia an. „Wir gehen auf die Gemeinden zu und fragen sehr genau nach, wie sie sich eine Lösung ihres Problems vor Ort vorstellen“, erklärt Antoni Słomiany, Vorsitzender der SFW-Geschäftsführung. „Und dann erarbeiten wir gemeinsam eine Lösung, die exakt auf die jeweiligen Bedürfnisse eingeht. Bei den einen steht die Erneuerung der Fernwärmeleitungen im Vordergrund, bei den anderen muss ein komplett maßgeschneidertes Erzeugungskonzept erstellt werden.“

Kooperationen als Wettbewerbsvorteil

Wie zum Beispiel in Piekary Śląskie: 2003 erwarb SFW Energia über 97 Prozent an der Miejskie Przedsiębiorstwo Energetyki Cieplnej Piekary Śląskie (MPEC). Die kommunale Fernwärmegesellschaft der schlesischen 60.000-Einwohner-Stadt hatte damals einen Marktanteil von rund 30 Prozent. „Dann haben wir uns gemeinsam mit der Stadt an die Arbeit gemacht“, erinnert sich Antoni Słomiany. „Was muss modernisiert werden und welche finanziellen Mittel benötigen wir dafür? Wo muss das Netz ausgebaut werden?“ Die gemeinsam mit der Stadtverwaltung entwickelten Maßnahmen haben 14 Jahre später zu geringeren Emissionen, einem höheren Komfort für die Kunden und letztlich auch zur Verbesserung der Lebensqualität geführt. Heute hat die MPEC in Piekary Śląskie einen Marktanteil von 100 Prozent. Inzwischen versorgt das SFW-Beteiligungsunternehmen Wohnsiedlungen, Schulen, Krankenhäuser, aber auch öffentliche Gebäude der Stadt. Diese Entwicklung lässt sich auch unmittelbar an den Finanzkennzahlen ablesen: Seit Abschluss der Kooperation zwischen SFW und der Stadtverwaltung hat sich der Jahresumsatz verfünffacht. „Die Entwicklung der MPEC ist ein Musterbeispiel für eine fruchtbare und erfolgreiche Zusammenarbeit“, sagt der Vorsitzende der SFW-Geschäftsführung. Und es geht weiter: Aktuell planen SFW und Stadt den Anschluss einer Wohn siedlung mit Mehrfamilienhäusern im Nordteil der Stadt an das MPEC-Fernwärmenetz.

Dieser positive Trend gilt auch für das Unternehmen als Ganzes: Seit ihrer Gründung 1997 ist SFW Energia kontinuierlich gewachsen. Einen nicht unerheblichen Teil machte dabei auch die Versorgung von Industrieunternehmen aus. Größter Kunde in diesem Segment ist der Autohersteller General Motors, der in Gliwice den Mittelklassewagen Opel Astra herstellt. Hier liefert das zum STEAG-Konzern gehörende Unternehmen Wärme für die Raumheizung in den Produktionshallen und Prozesswärme für die Lackieranlage. „Auch in diesem Bereich haben wir uns über die Jahre eine Expertise aufgebaut, die gefragt ist“, erklärt Bernard Barteczko, Mitglied der SFW- Geschäftsführung und seit Unternehmensgründung dabei. Weitere Industrie-Kunden in der oberschlesischen Großstadt sind die Chemiewerke IZO-ERG, die kontinuierlich mit Dampf versorgt werden, sowie die landesweit bekannte Spezialklinik für Onkologie und die ebenfalls hier ansässige Supermarktkette Tesco aus Großbritannien.

„Die Leitlinie ist klar: Weniger CO2, weniger Smog, dafür ist KWK wichtig.“

Bernard Barteczko, Geschäftsführung SFW Energia

Hart umkämpfter Markt

Zusätzlich hat der Energiedienstleister in den vergangenen Jahren Wettbewerber übernommen oder ist mit diesen Kooperationen eingegangen. Die bislang größte Akquisition war die Übernahme von 85,37 Prozent der Anteile an der Fernwärmegesellschaft Heizkraftwerk EC Mielec, die hauptsächlich im Südosten Polens tätig ist und dort rund 160 Firmen aus den Bereichen Maschinen- und Flugzeugbau sowie die Zuliefererindustrie versorgt. „Der Wettbewerb wird zweifellos härter“, sagt Bernard Barteczko. „Wir bewegen uns auf einem relativ stabilen und regulierten Markt. Auch durch die neuen Förderprogramme drängen momentan viele Anbieter auf diesen Markt, die vorher beispielsweise ausschließlich in Erneuerbare Energien investiert haben, weil sie sich stabile Renditechancen erhoffen.“

Trotzdem sehen die Geschäftsführer der SFW Energia noch ausreichend Wachstumspotenzial. Denn im Masterplan der Politik zur Effizienzsteigerung des polnischen Energiehaushalts ist der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung ein wesentliches Kapitel. „Die Leitlinie ist klar: Weniger CO2, weniger Smog, dafür ist KWK wichtig“, sagt Bernard Barteczko. „Und auf dieser Basis sehen wir sehr gute Möglichkeiten, unser Geschäft weiter auszubauen.“

Dazu will das SFW-Management einerseits das Bestandsgeschäft pflegen, andererseits sollen Übernahme- und Kooperationsmöglichkeiten von und mit weiteren Wettbewerbern geprüft werden. Insbesondere aber sollen Kooperationen mit Kommunen ausgebaut werden. Als Eigentümer von Anlagen und Netzen sehen diese sich unter erheblichem Handlungsdruck, ihre teilweise veraltete Infrastruktur den aktuellen Zielsetzungen anzupassen.

SFW Energia
SFW Energia Sp. z o.o., am 3. Dezember 1997 gegründet, ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der STEAG GmbH. Ihren Sitz hat die SFW Energie im polnischen Gliwice, der westlichsten Stadt des oberschlesischen Industriegebiets, etwa 95 Kilometer westlich von Krakau und rund 270 Kilometer südwestlich von Warschau. SFW Energia plant, realisiert und betreibt Wärme-, Kälte- und Stromerzeugungsanlagen auf Basis von Steinkohle, Holz, Gruben- und Erdgas – darunter auch eine der wenigen privaten Grubengasanlagen Polens. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Ingenieur- und Beratungsdienstleistungen an. Zurzeit ist SFW Energia an elf Standorten in ganz Polen tätig. 560 Mitarbeiter erwirtschafteten in 2016 einen Umsatz von rund 227,3 Millionen Zloty, das entspricht etwa 54 Millionen Euro. Dabei wurden 1.025.765 Megawattstunden Wärme und 147.460 Megawattstunden Strom abgesetzt. Der wirtschaftliche Erfolg der SFW Energia wirkt sich auch positiv auf das Konzernergebnis von STEAG aus.

 

 

Mitarbeiterfreundliches Unternehmen

„Deshalb ist die Ansprache auf lokaler Ebene so wichtig“, sagt Ewa Waßmuth. „Wir reden mit den Bürgermeistern vor Ort, denn letztlich sind sie es, die die maßgeblichen Entscheidungen treffen müssen.“ Und für die Stadtoberhäupter bringt die SFW Energia neben ihrem Know-how eine weitere maßgebliche Komponente mit, die sie als Kooperationspartner attraktiv macht: Das STEAG- Unternehmen wurde als ‚Mitarbeiterfreundliches Unternehmen‘ ausgezeichnet. „Das ist für die Abwägung, eine Zusammenarbeit mit uns einzugehen, ein wichtiger Faktor“, weiß Antoni Słomiany. „Denn neben der Qualifikation hat das Miteinander von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bei uns im Land einen hohen Stellenwert. Wir wissen, dass sich die Bürgermeister der Gemeinden, mit denen wir Kontakt aufnehmen, bei ihren Amtskollegen auch danach erkundigen. Und in diesem Punkt haben wir ebenfalls beste Referenzen vorzuweisen.“