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  • STEAG tut, was sie sagt

    Energiestandort Herne: Planungen für eines der weltweit modernsten Gas-und-Dampf-Kraftwerke laufen auf Hochtouren

    Es ist eine neue Landmarke. Auf dem über 110 Meter hohen Kesselhaus des Herner Kraftwerks können die täglich knapp 100.000 Berufspendler auf den Autobahnen A42 und A43 schon aus großer Entfernung ein klares Bekenntnis lesen: „STEAG. Wir sorgen für sichere Energie. Jetzt und in Zukunft.“. Das Energieunternehmen aus Essen tut, was es sagt: Am Standort Herne-Baukau will STEAG für einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag eines der modernsten Gas- und Dampfkraftwerke weltweit errichten.

    Für Hernes Oberbürgermeister Frank Dudda (SPD) ist das ein wirtschaftspolitischer Meilenstein. „Das Projekt der STEAG ist die größte Einzelinvestition in der Wirtschaftsgeschichte Hernes“, sagt der Oberbürgermeister. Auch unter konjunkturellen Aspekten kann das Herner Stadtoberhaupt dem Vorhaben viel abgewinnen: „Schon während der Bauphase sollen 400 bis 600 Menschen Beschäftigung finden.“

    „Die geplante Anlage wird weltweit eine der modernsten ihrer Art sein“, erklärt STEAG-Projektleiter Oliver Welling, der auf einen Baubeginn Mitte 2019 hofft. „Wir arbeiten seit Monaten an den Planungen für das Kraftwerk. Wir hoffen, dass wir unsere Hausaufgaben gründlich gemacht haben und dass es von behördlicher Seite keine Probleme gibt.“ Die Unterlagen liegen bei der Bezirksregierung in Arnsberg vor, bis Mitte nächsten Jahres wird mit dem Bescheid gerechnet.

    STEAG beabsichtigt, über die Projektgesellschaft STEAG GuD Herne GmbH einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag zu investieren. Geplant ist eine elektrische Leistung von 600 Megawatt (MW), mit der gleichzeitig erzeugten Wärmemenge von 400 MW kann die STEAG Fernwärmetochter rund 250.000 Wohnungen in den Städten Gelsenkirchen, Essen und Bottrop mit grüner Wärmeenergie beliefern. Mit einem Gesamtnutzungsgrad des eingesetzten Brennstoffs von 85 Prozent wird das GuD Herne dann eine der effizientesten und umweltfreundlichsten Anlagen der Welt sein.

    Um das Kraftwerk mit dem nötigen Gas zu versorgen, muss noch eine 22 Kilometer lange Erdgasleitung gebaut werden. Diese wird von Thyssengas gebaut und ist von einem Pipeline-Knotenpunkt in Datteln aus geplant. Die neue Trasse führt dann durch die Städte Oer-Erkenschwick und Recklinghausen bis nach Herne. Der Bau der Erdgaspipeline Datteln-Herne, so der offizielle Titel, soll ebenfalls im kommenden Jahr beginnen und wird rund 32 Millionen Euro kosten.

    Ein weiterer wichtiger Projektpartner für das künftige GuD Herne ist die Siemens AG, genauer der Geschäftsbereich Power & Gas. „Wir sind überzeugt, dass Siemens der richtige Partner für dieses wichtige und zukunftsweisende Projekt ist“, sagt Joachim Rumstadt, Vorsitzender der STEAG-Geschäftsführung. „Siemens besitzt  und das wissen wir aus der erfolgreichen Zusammenarbeit bei früheren Projekten  eine exzellente Expertise als Kraftwerksbauer.“ Überdies, so Joachim Rumstadt, sei der geplante Neubau „eine gute Nachricht für den Energie-Standort Herne und das gesamte Ruhrgebiet.” Als Generalunternehmer wird Siemens auch die Schlüsselkomponenten für das geplante Kraftwerk fertigen. Davon profitiert im hohen Maße das Siemens-Werk in Mülheim. Dort werden die Dampfturbine und der Generator hergestellt, die dann in Herne installiert werden.

    „Für STEAG sind das handfeste Investitionen in die Zukunft“, sagt Projektleiter Oliver Welling. „Hier am Standort Herne ist der zentrale Einspeisepunkt für die Fernwärmeschiene Ruhr. Außerdem ist ein GuD umweltschonender als ein Kohlekraftwerk und somit eine wertvolle Option, falls irgendwann der Ausstieg aus der Kohle-Verstromung beschlossen werden sollte.“ Verglichen mit einem Braunkohlekraftwerk verursacht ein Gaskraftwerk bis zu 70 Prozent weniger CO2-Emissionen pro Kilowattstunde.

    Das sieht auch Hernes Oberbürgermeister und STEAG-Beiratsmitglied Frank Dudda so: „Als die STEAG an uns herantrat und sagte, es könne eine Renaissance des STEAG-Kraftwerkbaus geben, haben wir uns über diesen wichtigen Beitrag für die grüne Infrastruktur des Ruhrgebiets gefreut. Das passt perfekt in unsere Strategie: Raus aus der Kohle-Tradition, rein in die innovative Produktion eines GuD-Kraftwerks.“

    Bis das Kraftwerk Strom und Wärme produziert, müssen sich Frank Dudda und Oliver Welling allerdings noch etwas gedulden. Erst wenn alle behördlichen Genehmigungen vorliegen, fällt der Startschuss für den Bau. Sollte dies bis Mitte nächsten Jahres geschehen, müssen sich die STEAG-Ingenieure sputen. Denn es gilt eine wichtige Frist einzuhalten: Das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz sieht für derart hocheffiziente und emissionsarme Anlagen eine Förderung vor. Anspruchsberechtigt sind allerdings nur Anlagen, die bis Ende 2022 im sogenannten kommerziellen Dauerbetrieb sind. Damit ist ein ambitionierter Zeitplan vorgegeben: Spätestens Ende Dezember 2022 muss das neue GuD am Netz sein, damit es noch von diesen Fördermitteln profitiert.

    Exakt zu diesem Zeitpunkt sollen auch die letzten Kernkraftwerke vom Netz gehen, sodass das GuD Herne bereits mit Inbetriebnahme von steigenden Börsenstrompreisen profitieren könnte. „Ein Grund mehr, dieses Projekt zu realisieren “, sagt Oliver Welling. „Das ist eine ökologisch wie ökonomisch richtige Entscheidung.“