Dr. Daniel Lehmann

Elektroautos sind ein Beispiel für eine weitere Verknüpfung von Energie und Mobilität. Beim STEAG-Tochterunternehmen
STEAG Energy Services (SES) setzt sich Daniel Lehmann mit dem Thema E-Mobilität auseinander und erforscht Nutzungsmöglichkeiten – in- und außerhalb des Essener Energieunternehmens.

Zur Person
Daniel Lehmann studierte Elektrotechnik und Informationstechnik an der Ruhr-Universität Bochum und promovierte dort 2011 am Lehrstuhl für Automatisierungstechnik und Prozessinformatik. Nach einem Jahr als Postdoc am ‚Institute of Automatic Control‘ des ‚Royal Institute of Technology‘ (KTH) in Stockholm, arbeitet er seit 2012 bei der STEAG Energy Services GmbH, wo er seit 2016 die Gruppe Advanced Process Control leitet. Dort beschäftigt er sich außer mit der Flexibilisierung konventioneller Kraftwerke auch mit Großbatterie-Systemen und dem Thema Elektromobilität sowie mit verschiedenen F&E-Aktivitäten. Seit 2017 leitet der 37-Jährige zusätzlich das Patentwesen bei STEAG.

Warum hat STEAG ein Interesse am Thema Elektromobilität?
Elektromobilität wird unser Stromversorgungssystem signifikant beeinflussen und darüber hinaus neue Möglichkeiten für die Speicherung elektrischer Energie mit sich bringen. Speicherung bedeutet Flexibilität, und diese Flexibilität ist perspektivisch von großer Bedeutung. Schon mit verhältnismäßig wenigen E-Autos lassen sich in Zukunft große Energiemengen zielgerichtet einspeichern und ausspeichern, sodass die Volatilität Erneuerbarer Energien kompensiert wird oder ein zusätzlicher Netzausbau vermieden werden kann. Darüber hinaus sind aber schon ganz aktuell alle Dienstleistungen rund um Elektromobilität, konkret der Ausbau von Ladeinfrastruktur, für die STEAG-Dienstleistungstöchter SES und STEAG Technischer Service (STS) interessant.

An welchen Produkten und Lösungen für elektrogetriebenen Verkehr arbeitet SES?
Zunächst haben wir uns ganz pragmatisch dem Thema gewidmet und Ladeinfrastruktur für die STEAG-interne Nutzung angeschafft. Wir wollten zunächst praktische Erfahrung sammeln, um bei dem Thema „mitreden zu können“. Das war vor drei Jahren. Mittlerweile haben wir bereits mehr als 30 STEAG-eigene Ladepunkte. Dabei haben wir selbst erfahren, dass E-Mobilität mehr verlangt, als nur einen Ladepunkt in einem Katalog zu bestellen. Wo stellen wir die Ladesäule auf, ist der Netzanschluss ausreichend, wer nimmt die Ladesäule in Betrieb, welche Fördermöglichkeiten gibt es eigentlich? Das waren nur einige Fragen, mit denen wir konfrontiert wurden, und letztendlich haben wir alles selbst gemacht. Daraus ist entstanden, dass SES und STS gemeinsam nun auch für externe Kunden das „Rundum-sorglos-Paket“ für Ladeinfrastruktur umsetzen – von der Planung über die Inbetriebnahme und Wartung bis zur Integration von Speichern und Erneuerbaren. Und auch netzdienliches bzw. „intelligentes“ Laden durch die Anbindung der Ladeinfrastruktur an die Handelsplattformen des STEAG-Gesellschaftsbereichs Trading & Optimization (T&O) sowie integrierte Mobilitätskonzepte stehen auf unserer Agenda.

Wie und vor allem wie schnell wird sich E- Mobilität in den kommenden Jahren entwickeln – fahren wir bald alle mit Strom und ohne Lenkrad?
Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Eigentlich stehen alle Zeichen schon länger auf Elektromobilität, allerdings bleiben die Zulassungszahlen trotz Förderung deutlich hinter den Erwartungen zurück. Es gibt bei dem Thema einfach noch zu viel Unsicherheit einerseits und Interessenskonflikte andererseits. Grundsätzlich macht E- Mobilität vor allem in Städten Sinn, das sage ich persönlich gerade auch aus der Sicht des Fahrradpendlers. In anderen Bereichen wie dem Fernverkehr sehe ich Elektromobilität eher kritisch. Hier gibt es meiner Meinung nach gute Alternativen. Ich glaube, dass sich in Zukunft intermodale (erst das, dann das) und multimodale (heute das, morgen das) Mobilitätskonzepte mit E-Bikes, Car-Sharingund Mietwagen-Modellen etablieren werden und die Bedeutung des „eigenen Autos“ sukzessive abnimmt.