Lars Wenning

Die Sektorkopplung wird als ein wichtiges Element für das Gelingen der Energiewende angesehen. Im Saarland hat STEAG eine Anlage
errichtet, die ein temporäres Überangebot von Strom aus erneuerbaren Quellen als Fernwärme nutzbar macht. Lars Wenning leitet
das Projekt.

Zur Person
Lars Wenning (35) studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit der Vertiefungsrichtung Europäisches Energiemanagement an der TU Dortmund. Er ist seit 2010 bei STEAG Energy Services im Bereich Energy Technologies tätig. Hier war er seitdem in zahlreichen Auslandsprojekten der STEAG sowie in Netzprojekten externer Kunden für die Elektrotechnik verantwortlich.

Welche Perspektiven bietet der E-Kessel für die Energiewende?
Ein Elektrodenkessel, kurz E-Kessel, kann verschiedene Zwecke erfüllen. Zum einen entnimmt er dem Stromnetz überschüssige Energie, wenn gerade – beispielsweise bei strahlendem Sonnenschein und starkem Wind – mehr Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugt als verbraucht wird. Damit wird die Stabilität des Stromnetzes sichergestellt. Zum anderen kann ein E-Kessel einspringen, wenn zwar Wärme benötigt wird, aber nicht genug, dass es die Anfahrt eines Kraftwerks lohnen würde. Ein weiterer Aspekt, der in Zukunft an Bedeutung gewinnen dürfte, ist die Kraft-Wärme-Kopplung: Was passiert, wenn ein Kraftwerk Wärme liefern muss, aber gerade kein Strom benötigt wird? Das ist kein Problem, solange die Strompreise kosten deckend sind. Sind die Strompreise niedrig oder gar negativ, lohnt sich der Einsatz eines E-Kessels, um den ungewollt produzierten Strom in zusätzlich nutzbare Wärme um wandeln zu können.

Was ist eigentlich das Besondere an einem Elektrodenkessel?
An unserem Standort Völklingen-Fenne probieren wir innovative Anwendungsmöglichkeiten für den E-Kessel und die ferngesteuerte, stromnetzgeführte Fahrweise aus. Besonders die Laständerungsgeschwindigkeit und Regelfähigkeit sind hervorzuheben – unser E-Kessel erreicht innerhalb von 30 Sekunden nach einem Abruf durch den Netzbetreiber seine maximale Leistung und kann diese exakt und damit Unabhängig von unserem Projekt in Fenne kann ein EKessel auch eingesetzt werden, wenn kurzfristig ein Wärme erzeuger benötigt wird – etwa zur Besicherung einer Wärmeversorgung. Ein E-Kessel arbeitet lokal fast vollkommen emissionslos. Das Genehmigungsverfahren ist deshalb recht einfach und die Errichtungsdauer vergleichsweise kurz. Wir haben für die Realisierung unseres Projekts weniger als ein Jahr gebraucht. Das war zwar sportlich, hat aber auch viel Spaß gemacht.

Mit welchen zukunftsweisenden Themen beschäftigen Sie sich darüber hinaus bei STEAG?
Auch wenn die meisten die STEAG nicht damit verbinden, sind Netz-Themen ein wesentlicher Schwerpunkt meiner Arbeit. Wir sind seit vielen Jahren für Netzbetreiber aktiv und bringen unsere elektrotechnische Kompetenz in komplexen Ingenieurprojekten, angefangen vom Höchstspannungsnetz bis hin zur sicheren Versorgung von Rechenzentren, ein. Ich bin davon überzeugt, dass die Herausforderungen im Netzbereich durch die zunehmende Energieerzeugung aus regenerativen Quellen, den Rückgang konventioneller Kraftwerke und den Vormarsch der Elektromobilität weiter steigen werden. In diesem Zusammenhang sind zum Beispiel auch Batteriesysteme ein Feld, auf dem unsere Expertise zunehmend gefragt sein wird. Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch international. Hier waren wir beispielsweise auch schon im Nahen Osten und in Indonesien aktiv.