Verantwortung – Joachim Rumstadt im Gespräch*

Herr Rumstadt, Sie starteten 1997 bei der STEAG. Welche Erwartungen hatten Sie damals an das Unternehmen?

Dass STEAG ein gutes, erfolgreiches und international tätiges Unternehmen ist, in dem man aufsteigen und mitgestalten kann, früh Verantwortung ausüben kann! Und dass es dennoch persönlich ist, dass man sich individuell einbringen kann, ich fand die Menschen sehr angenehm. Nebenbei bemerkt, ich hatte anfangs gar nicht geplant, zur STEAG zu gehen! Aber beides, also frühe Verantwortung in einer interessanten Aufgabe und Menschen, mit denen ich gern zusammenarbeiten würde, waren entscheidend. Da konnten andere Unternehmen, auch deutlich größere, für mich nicht mithalten.

Welche Situation haben Sie beim Thema "Verantwortung" und STEAG vor Augen?

Aus der jüngsten Zeit insbesondere den Verkaufsprozess (Anmerkung der Redaktion: Das Stadtwerkekonsortium Rhein-Ruhr hatte im März 51% der Anteile an der Evonik Steag GmbH übernommen, die seit 8.6. als STEAG GmbH firmiert). In dieser Zeit zeigte unser Unternehmen sich als starke Einheit. Meine Aufgabe war es, mich für eine Eigentümerlösung einzusetzen, die unser erfolgreiches Geschäftsmodell stärkt. Wie konstruktiv unsere Mitarbeiter und Betriebsräte das Thema begleitet haben und somit auch selbst Verantwortung übernahmen und die Geschäftsführung unterstützten, das hat mich beeindruckt. Und das passierte, obwohl nicht wenige Mitarbeiter im Verkaufsprozess sich Sorgen um die Zukunft machten. Zusammengefasst: Weil wir alle Verantwortung übernehmen, zusammenstehen und eine gute Eigentümerstruktur haben, können wir  positiv in die Zukunft blicken!

Warum gehören Verantwortung und Unternehmertum zusammen und betreffen alle Mitarbeiter der STEAG?

Verantwortung übernehmen – das entspricht auch meiner Grundüberzeugung, wie Menschen miteinander und mit ihrer Umwelt umgehen sollten, und wie ein Unternehmen als Teil der Gesellschaft agieren sollte. Nur wenn man Verantwortung übernimmt, gibt es ein friedvolles und erfolgreiches Miteinander. Das geht uns alle, jeden Mitarbeiter an und wir sind alle gemeinsam gefordert. Im Unternehmen bedeutet Verantwortung auch, dass man sich anstrengt, immer besser zu werden. Da denke ich an die tollen Ideen aus unserem Vorschlagswesen, hier zählen wir ja regelmäßig zu den Besten, wie externe Untersuchungen des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft zeigen. Ein Mitarbeiter hatte die Idee, Kohlewaggons mit Dampf, der eh schon im Kraftwerk war, zu enteisen und so den Prozess einfacher und gleichzeitig sicherer zu machen! Verantwortung zu übernehmen hat jedoch auch zur Folge, dass Fehler passieren können. Dem muss man sich stellen und angemessen damit umgehen. Das heißt, selbst daraus lernen und anderen im Unternehmen die Möglichkeit zu geben, daraus zu lernen und so besser zu werden.

Welche spezielle Verantwortung hat man als Unternehmen in der Energiewirtschaft?

Wir machen ein langfristiges Geschäft mit unseren Kunden und Partnern in der Energiewirtschaft, und leisten damit einen Beitrag für eine wesentliche Grundlage einer erfolgreichen Volkswirtschaft, den Menschen und der Umwelt gegenüber verpflichtet. Das hat viel mit Vertrauen und gegenseitigem Respekt zu tun. Mit den Kunden braucht die STEAG solch eine gute Basis, die über Jahre hält – egal, ob es sich um Großkraftwerke oder dezentrale Anlagen aus erneuerbaren Energien oder um Fernwärmeprojekte oder Solarthermieprojekte handelt. Wir können auf die Erfolge unserer Vorgänger aufbauen und werden den Ausbau unseres Know-hows immer auf die Marktbedürfnisse ausrichten. Energie muss sicher, umweltschonend und wirtschaftlich zur Verfügung gestellt werden, getragen von Akzeptanz in der Gesellschaft. Insoweit hat unser komplexes Geschäft in vielfältiger Weise mit Verantwortung zu tun. Was Großkraftwerke betrifft, so muss allen bewusst sein: Wir gehen da mit großen technischen Risiken im Betrieb um. Wir haben die Pflicht, hier verantwortungsvoll zu handeln, um Kontrolle über diese Prozesse und Anlagen haben zu können und Mitarbeiter und Bürger und die Umwelt zu schützen.

Die STEAG firmiert nun wieder als eigene Marke* – wie will das Unternehmen in den kommenden Jahren Verantwortung übernehmen?

Durch die Beschlüsse der Bundesregierung wird es in Deutschland einen großen Markt für Kapazitäten geben. Wir sind Erzeugungsspezialist, der fünfgrößte Stromerzeuger in Deutschland. Unsere Verantwortung ist da klar definiert: zur Versorgungssicherheit beitragen und dabei Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit berücksichtigen. Dafür haben wir gute Voraussetzungen, denn wir ergänzen uns gut mit den Geschäften unseres Stadtwerke-Konsortiums, denn wir als STEAG bieten die Erzeugerplattform und die Stadtwerke haben das Kompetenzfeld Absatz. Die STEAG bekommt so einen Schlüssel für den Eintritt in die interessante Stadtwerke-Landschaft in Deutschland und kann seine Verantwortung wahrnehmen. Hinzu kommt, dass wir uns kennen, Vertrauen da ist und auch schon in der Vergangenheit gemeinsam Projekte durchgeführten, zum Beispiel bei der Fernwärme oder bei Projekten unserer Ingenieure.


* seit 8. Juni 2011 firmiert die Evonik STEAG GmbH aufgrund der neuen Eigentümerstruktur wieder als STEAG GmbH. Das Interview mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung wurde aus Anlass der Markeneinführung im Vorfeld geführt.

Herr Rumstadt, bitte vervollständigen Sie diese Aussagen.

Werte sind für mich …

… Grundlage meines persönlichen und unternehmerischen Handelns.

Ich war kürzlich wieder richtig stolz auf unsere Auszubildenden …

… weil sie nicht nur gut arbeiten, sondern auch hervorragende Abschlüsse machen.

Unsere Technik fasziniert – das habe ich erlebt, als …

... wir in der Türkei am 22. November 2003 unser Kraftwerk in Iskenderun in Betrieb genommen haben. Wir können damit rund 8% des Bedarfs an elektrischer Energie in der Türkei decken! Die Großanlage haben wir in nur 39 Monaten fertiggestellt. Und wir haben die seinerzeit größte schwimmende Umschlagseinrichtung, den Transshipper, entwickelt und bauen lassen. Auch in Sachen Umweltschonung ist die eingesetzte Technik hier beispielhaft.

An unseren Partnern schätze ich …

… Zuverlässigkeit und Kompetenz – und dass sie die Begeisterung für unser Geschäft, große wie kleine Kraftwerke, teilen.

Ruhrgebiet und Saar sind …

… unsere Heimat. Basis unseres erfolgreichen Geschäfts, gerade auch im Wechselspiel mit den internationalen Aktivitäten insbesondere bei Ingenieurleistungen.

Bei meiner letzten Auslandsreise hat mich am nachhaltigsten bewegt …

... wie wir in Indien innerhalb von zehn Jahren von einem auf rund 400 Mitarbeiter wuchsen und mit welcher Freude die Kollegen in Noida, Delhi ihr neues Gebäude bezogen haben. Sehr bewegt hat mich auch, welchen exzellenten Ruf die STEAG in Indien hat. Mit unserem Kraftwerkssimulator können wir in Indien Kraftwerker für die neue Generation von Kraftwerken ausbilden.

Und Verantwortung bedeutet konkret bei meinen Terminen heute, zum Beispiel …

… bei unserer heutigen Betriebsrätevollkonferenz, an der ich teilnehme, die Dinge so zu benennen, wie sie sind, also Herausforderungen, Chancen und Risiken aufzuzeigen.

 
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