
Dr. Cieslik: Keineswegs, wir haben schon seit vielen Jahren die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien in unserem Portfolio. STEAG ist in Teilbereichen sogar Marktführer in Deutschland. Wir sind zum Beispiel einer der größten Betreiber von Biomassekraftwerken. Dasselbe gilt für Geothermie. Auch hier gehören wir zu den führenden Unternehmen, was den Bereich der Wärmeerzeugung betrifft. In den nächsten Jahren wollen wir auch stark im Bereich Wind wachsen. Wir investieren heute schon überproportional zum Umsatz in erneuerbare Energien.
Dr. Gilgen: International verfolgen wir derzeit konkret mehrere Windprojekte in der Türkei, die bis 2013 in Betrieb gehen sollen. Zum Beispiel entwickeln wir einen größeren Windpark mit 60 MW, der nicht weit von der bulgarischen Grenze entfernt ist. Zwei weitere Windparks planen wir zusammen mit einem deutschen Partner im asiatischen Teil der Türkei. Auch in Rumänien sind wir aktiv. Wir verfolgen dort ein großes Windprojekt mit mehr als 100 MW. In den Ländern, in denen wir Projekte vorantreiben, haben wir oftmals jahrzehntelange Projekterfahrung gesammelt. Zum Beispiel im türkischen Energiemarkt: die Ingenieure unserer Tochter STEAG Energy Services sind hier seit vielen Jahren im Bereich Engineering und Betriebsführung unterwegs; wir betreiben in der Türkei seit 2003 auch unser Steinkohlekraftwerk Iskenderun.
Dr. Cieslik: Während die STEAG GmbH Großprojekte betreut, hat sich STEAG New Energies auf dezentrale Projekte spezialisiert und konzentriert sich auf kleinere Windparks. In Frankreich werden wir nahe der saarländischen Grenze die ersten fünf Windanlagen schon nächstes Jahr in Betrieb nehmen. Darüber hinaus prüfen wir auch Windprojekte in Polen. Auch Deutschland bietet großes Potenzial im Bereich Wind, das wir nutzen wollen. Viele Kommunen wollen ja in ihrer Energieerzeugung autarker werden. Wir bieten deshalb Kommunen an, sich bei unseren Windprojekten in Deutschland zu beteiligen.
Dr. Cieslik: Unser neuer Anteilseigner bietet uns vielfältige Chancen, im Bereich erneuerbare Energien zu wachsen. Das Stadtwerke-Konsortium ist für uns die Eintrittskarte in den Stadtwerkeverbund. In Deutschland wird weit mehr als die Hälfte des abgesetzten Stroms über Stadtwerke vertrieben, gleichzeitig haben sie aber nur wenige eigene Erzeugungsanlagen. Wir planen zusammen mit Stadtwerken, Erzeugungsprojekte zu realiseren. Das läuft unter dem Thema „kommunale Erzeugungsplattform“. Dazu gehört auch, dass STEAG technische Dienstleistungen und bestimmte Stromhandelsprodukte für Stadtwerke anbietet.
Dr. Gilgen: Auch in der Vergangenheit haben wir viele Kontakte zu den Stadtwerken gepflegt. Vor allem bei STEAG Energy Services haben wir zum Beispiel gemeinsame Projekte durchgeführt. Als STEAG arbeiten wir schon heute mit über 100 kommunalen Versorgern zusammen. Natürlich ist STEAG auch durch die neue Anteilseignerstruktur besonders als Partner der Kommunen prädestiniert. Die E-world Anfang Februar in Essen gibt uns die Möglichkeit, unsere Leistungen als eigenständiges Unternehmen auch den Kommunen zu präsentieren.
Dr. Gilgen: Erneuerbare Energien und Steinkohlekraftwerke sind kein Widerspruch - die Technik in fossilen und erneuerbaren Kraftwerken ist sich teilweise sogar sehr ähnlich! Nehmen wir zum Beispiel Solarthermie. Die Stromerzeugung mit Solarthermiekraftwerken bietet viele Paralellen zu der Stromerzeugung mit fossilen Kraftwerken, da beide mit einem Wasser-Dampf-Kreislauf und einer Turbine arbeiten. So können wir bei der Entwicklung bis zum späteren Betrieb von solarthermischen Anlagen unser langjähriges Ingenieurs- und Betriebsführungs-Knowhow einbringen. Das gilt aber nicht nur für Solarthermieprojekte, sondern für alle Großprojekte im Bereich der erneuerbaren Energien. Als erfahrener Projektentwickler haben wir das Know-how von der Genehmigung über die erforderlichen Verträge und die Finanzierung bis hin zur Realisierung. Und das ist bei der Entwicklung bei allen Erzeugungsprojekten wichtig. Außerdem untersuchen wir auch hybride Kraftwerke. Hier werden solarthermische Kraftwerke unter anderem mit fossilen Kraftwerken kombiniert.
* Hauptanteilseigner (51 %) von STEAG ist seit März 2011 das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr. Davor gehörte STEAG als 100%-ige Tochter und Geschäftsfeld Energie zu Evonik (jetzt: 49 %).